Auch die kleinen Schritte zählen

von Florian Pachaly und Fabian Eckert, Gründer des Start-ups RECUP

Auch die kleinen Schritte zählen

Beim Thema nachhaltige Kaffeebecher machen sie Dampf: Heute halten Kundinnen und Kunden bundesweit RECUP-Mehrwegbecher in den Händen. Dabei ist es erst wenige Jahre her, dass Fabian Eckert und Florian Pachaly sich von Rosenheim aus auf den Weg gemacht haben, den Berg an Einwegbechern abzutragen. Was sie dabei erlebt haben, erzählen sie hier.

Hektisch wird zu Hause noch schnell der Becher gefüllt, denn wirklich Zeit, den Kaffee in Ruhe zu genießen, bleibt selten: Wie an unsichtbaren Fäden gezogen, hetzen die Menschen auf ihren Wegen zu individuellen Zielen. Wohin, wissen wir nicht, aber den Weg des Bechers in ihrer Hand mitzubestimmen, wurde ab 2017 zu unserer Mission. Dass wir, zwei junge Unternehmer, von Rosenheim aus ein bundesweites Mehrwegbecher-System etablieren, mag wie eine beliebige Start-up-Story klingen. Anders als andere sind wir jedoch nicht als Selbstzweck, allein für Bilanzen oder Investoren, gewachsen. RECUP wurde größer, damit ein Problem kleiner wird.

Studienergebnisse stützten unsere Vision.

Fabian Ecker und Florian Pachaly

Münchner Kammerspiele / Josef Beyer

2,8 Milliarden – eine unfassbar große Zahl, aber zunächst eben auch nur eine Zahl. So lange abstrakt, wie man nichts damit verbindet. Wir beide hatten das Glück, mit dem nötigen Bewusstsein, eigenen Erfahrungen und Ideen aus dem Studium ausgestattet, zu genau jenem Zeitpunkt zusammenzutreffen, als die Deutsche Umwelthilfe eine alarmierende Studie veröffentlichte: 2,8 Milliarden Einwegkaffeebecher wandern Jahr für Jahr in den Müll. Das Problem: Beschichtet sind die praktischen Pappgefäße vielfach mit einer dünnen, kaum wahrnehmbaren Kunststofffolie – und somit für die direkte Wiederverwertung ungeeignet.

Es mag Zufall gewesen sein, dass Julia Post von der Crowdfunding-Kampagne „Coffee to go again“ damals auf uns aufmerksam wurde, uns miteinander vernetzte. Und ebenso Zufall, dass wir beide unabhängig voneinander schon zuvor die Belastung der Umwelt durch absurd große Mengen von Einwegverpackungen als wachsendes Problem erkannt hatten und nun mit der Studie im Rücken an unserem Konzept feilen konnten. Kein Zufall, sondern von einer klaren unternehmerischen Vision getragen, war alles, was dann folgte. Von diesem Moment an, als wir uns kennenlernten und – bestärkt durch die vorliegenden Studienergebnisse – unsere Ideen diskutierten, durchrechneten und präzisierten, verfolgten wir einen klaren Plan: Wir wollen die Einwegbecher deutschlandweit abschaffen!

Man kann und muss, hat man einen so klaren Plan einmal gefasst, über das „Wie“ ständig neu nachdenken, muss Ideen nach Kundenfeedback anpassen, Optionen im Blick behalten. Über der Ausgestaltung von Businessplänen haben auch wir gebrütet. Was uns, sobald Zweifel auf dem Weg aufkamen, jedoch immer half: das Wissen um ein glasklar formuliertes Ziel.

Schon im dualen Studium konnten wir sehen, wie Unternehmen funktionieren.

Im Rückblick auf die ersten fünf Jahre, auf einen Weg, der uns mit dem nötigen Rückenwind aus Rosenheims Fußgängerzone ab Mai 2017 über München, Köln, Ludwigsburg und Berlin bis nach Oldenburg in den Norden Deutschlands führte, sind wir uns jedoch sicher. Sicher, dass es genau diese Fokussierung und die Aktualität des Themas waren, die unsere Idee bis heute ausmachen. Betrachtet man das Gesamtproblem der Umweltverschmutzung, mag der Umstieg auf ein Becherrücknahme-System klein erscheinen, aber auch kleine Schritte zählen. Wir haben die Herausforderung im besten Sinne „handhabbar“ gemacht und das Angebot in den vergangenen Jahren nach und nach um weitere Komponenten wie ein Mehrweggefäß namens REBOWL ergänzt.

Plötzlich waren wir deutschlandweit vertreten.

Blicken wir auf die nächsten zwei bis drei Jahre, die nähere Zukunft unseres auf inzwischen über 50 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gewachsenen Unternehmens, stehen allerdings erstmal große Schritte an. Um die ab Januar 2023 geltende Mehrwegpflicht abdecken zu können, wird neben RECUP und REBOWL vielleicht sogar noch das eine oder andere Produkt hinzukommen. Zudem tragen wir Verantwortung für ein Team, das gerade mit Blick auf die seitens der Politik implementierte Mehrwegpflicht weiter wachsen könnte.

Kein Zweifel: Nachhaltigkeit hat Zukunft, macht Zukunft. Unsere Hauptaufgabe als Gründer: Vision, Werte und Wissen auch bei einer wachsenden Zahl von Mitarbeitenden weitertragen. Die anfängliche unternehmerische Überzeugung jedenfalls ist geblieben und hilft uns, neue Partner anzusprechen, Risiken abzuwägen und die weitere Entwicklung zu steuern.

Das Ziel: nicht Multimiliardäre werden, sondern Milliarden Becher verbannen.

Dass wir unseren RECUP-Gedanken inzwischen bundesweit verankern konnten, macht uns stolz, muss aber keineswegs das Ende unseres Weges bedeuten. Gerade mit Blick auf ein grenzüberschreitendes Ausrollen von Pfand- und Rücknahme-Systemen merken wir in den aktuellen Debatten, wie es Deutschland auf europäischer Ebene gelingt, eine umweltpolitische und technologische Vorreiterrolle zu spielen – zum Beispiel beim Thema Flaschenpfand mit dem hier seit Jahrzehnten etablierten Pfand-System samt entsprechender Technik.

Und was ist, sollte es doch einmal nicht mehr wie geplant weitergehen, andere erfolgreicher sein und es besser machen als wir? Abgesehen von dem Risiko, das man als junge Gründerin, als junger Gründer immer trägt, meinen wir, erkannt zu haben, dass es auf unserem Geschäftsfeld am Ende um die Sache geht: Dass das Ergebnis schrumpfender Müllberge zählt, sollten andere Unternehmen schneller wachsen als wir. Auch dann hätten wir mit kleinen Schritten etwas erreicht, denn „Abwarten und Tee (oder Kaffee) trinken“ ist beim Kampf gegen Einwegbecher nun mal keine Option.

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