Auf einmal ist der Erfolg da, und wir wissen, dass wir auf dem richtigen Weg sind.

von den simpleclub-Gründern Alexander Giesecke und Nicolai Schork

Auf einmal ist der Erfolg da, und wir wissen, dass wir auf dem richtigen Weg sind

Keine digitale Lernhilfe erreicht in Deutschland mehr Schülerinnen und Schüler als die Lern-App simpleclub – eine Erfolgstory, nicht erst seit Corona. Warum selbst die Shootingstars unter Deutschlands Lern-App-Anbietern Digitalisierung nie im Leben als den heiligen Gral bezeichnen würden und wie ihnen ein blinder Schüler die Augen dafür geöffnet hat, dass ihr Plan aufgehen könnte – davon erzählen die beiden simpleclub-Gründer Alexander Giesecke und Nicolai Schork.

Nie im Leben werden wir den Tag vergessen, an dem uns die Nachricht des blinden Schülers erreichte – zu einer Zeit, in der wir noch lange nicht so bekannt und erfolgreich waren wie heute. Er schrieb uns, dass wir seine Motivation, Mathe zu lernen, neu entfachen konnten – nur, weil er unseren Videos zugehört hatte. In solchen Momenten wissen wir: Was wir tun, macht Sinn. Und das ist einfach ein gutes Gefühl.

Rückblende: Mitte März 2020. Schulen, Geschäfte und Bibliotheken schließen plötzlich. Ein ganzes Land – und mit ihm das Bildungssystem wie Schülerinnen und Schüler, Lehrerinnen und Lehrer, Eltern und Politik es kannten – fährt runter. Niemand weiß, was jetzt passieren wird. Wochen könnte das dauern, Monate, vielleicht Jahre. Aber inmitten dieser Unsicherheit, die Deutschland, die Welt und auch uns beide auf einmal erfasst hat, spüren wir sofort den Wunsch, uns einzubringen, zu helfen – und den Zugang zu Bildung trotz geschlossener Schultore offen zu halten.

simple Club

Oana Szekely / simpleclub

Fast zwei Millionen Zugänge für unser digitales Lernangebot simpleclub werden wir in den folgenden Tagen zur Verfügung stellen. Kostenlos. Anfragen erreichen uns genauso von Lehrkräften wie von Schülerinnen und Schülern, die zum Teil bereits seit Jahren mit unserer App lernen. Die Folge: 14- bis 16-Stunden-Tage sind für uns die Regel, nicht die Ausnahme. Während Deutschland beginnt, sich mit dem Lockdown einzurichten, richten wir Logins ein – Lizenzen für simpleclub im Gegenwert von rund 30 Millionen Euro. Ein ganzes, intensives Wochenende lang, in mühevoller Kleinarbeit – größtenteils per Hand zu Hause am Computer.

Auf einmal muss sich plötzlich ändern, was sich seit Jahren ändern könnte.

Vielleicht werden wir nie erfahren, ob sich der Einsatz an diesem März-Wochenende bezahlt macht. Doch wo würden wir stehen, wären wir immer nur danach gegangen, was man von uns erwartet? Und ob man digitale Tools im Klassenzimmer als Spinnerei jener zwei Schüler abtut, als die wir vor fast zehn Jahren im badischen Mosbach starteten? Was wäre aus unserem Plan geworden, individuelle Lernangebote zu erschaffen, hätten wir immer dann aufgehört, wenn eine Entwicklung abgeschlossen, ein bestimmtes Level erreicht wurde?

simple club

simple club

Jede und jeder kennt sie aus seiner Schulzeit: die Lehrerinnen und Lehrer, die nicht mehr als zwei Stifte in der bloßen Hand brauchen, um zu erklären, was Vektoren für die Mathematik bedeuten. Auch wir wurden von solchen Menschen unterrichtet, wurden gefordert und sprichwörtlich gepackt. Es geht bei dem, was uns bis heute bei jedem Update antreibt, deswegen auch überhaupt nicht um „Schul-Bashing“: Alles besser zu wissen, war nie unser Anspruch. Aber dass Wissen auch anders geht, mit diesem Selbstbewusstsein sind wir unsere Aufgabe angegangen, als wir noch Teil des Systems Schule waren.

Schulbuchinhalte neu zu vermitteln, dabei technische Tools intelligent zu nutzen, ohne Digitalisierung kritiklos als „heiligen Gral“ anzusehen: Diese Chance haben wir ab der 11. Klasse einfach genutzt, ohne den Blick dafür zu verlieren, dass man Vektoren auch mit zwei Stiften erklären kann. Wir waren uns sicher, dass komplexe Themen auf Augenhöhe vermittelt den Kopf von Schülern einfach direkter erreichen. Die Idee begeisterte uns, Geschichten übers Lernen mithilfe derer zu erzählen, deren eigene Schulzeit erst kurz zurücklag. Wir haben an uns und vor allem an unsere Vision von einer neuen Art zu lernen geglaubt.

Nach den ersten Monaten waren wir an dem Punkt, aufzuhören.

Der Glaube an unseren Plan war und ist die Basis, um nicht vom Weg abzukommen und trotz der anfänglichen Witze von Lehrerinnen und Lehrern oder Mitschülerinnen und Mitschülern weiterzumachen. Schritt für Schritt dazuzulernen, auch bei Misserfolgen dranzubleiben – damit müssen Gründerinnen und Gründer umgehen. Auch simpleclub. Der ursprüngliche Plan jedenfalls, unsere damaligen YouTube-Inhalte zur Finanzierung des Studiums zu nutzen, stand noch längst nicht auf dem Fundament, auf dem wir heute arbeiten. simpleclub funktionierte nicht gleich von Beginn an – und natürlich nagte das an uns.

Kaum Klicks, keine Reichweite, nach einem halben Jahr hatten wir 10 Euro verdient. Ernüchterung, die sich bei uns breitmachte, während die ersten Wochen und Monate verstrichen – und kaum jemand im Netz von uns Notiz nehmen wollte. Eine Zeit, die angesichts unserer heutigen Reichweite so fern erscheint und in der wir fast  an dem Punkt angekommen waren, aufzuhören. Denn bei allem Optimismus, dem Herzblut und der Überzeugung, die wir in unsere Videos steckten, fehlten uns schlicht die nötigen Einnahmen. Der Durchbruch ließ noch Monate auf sich warten. Aber er kam.

Je mehr inhaltliches Feedback uns erreichte, je häufiger uns aus der Community für das, was wir taten, gedankt wurde, desto stärker wurde unsere Motivation, desto besser kamen wir mit der Unsicherheit, was einmal aus simpleclub werden könnte, klar. Gerade Nachrichten wie die des blinden Schülers zeigten uns – neben allen Auszeichnungen und Investments – den echten Wert dessen, was wir erschaffen haben. Und erinnern uns immer wieder daran, wo wir gestartet sind – und worin der Sinn dessen liegt, was wir mit simpleclub erreichen wollten.

simple club

simple club

Unsere App haben wir inzwischen annähernd dreimal komplett neu konzipiert. Nach und nach haben wir unseren Fokus von den Videos komplett auf die App gelegt und darauf, dass die Inhalte auch auf der Website noch besser funktionieren. Und auch sonst ist mit dem Wachstum von zwei Mitarbeitern, nämlich uns, auf über fünfzig Personen einiges anders geworden.

Auf dem Weg haben wir viel gelernt. Vor allem, dass wir als Chefs nur dann gut sind, wenn wir die Leistung unserer hochqualifizierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter voll anerkennen. Denn sie sind in ihren jeweiligen Bereichen meist besser als wir. Als Gründer und Chefs wollen wir zwar Vorbild sein, lassen uns aber sehr gern auch inspirieren und kommen gemeinsam mit unserem Team und vor allem im Austausch mit unserer Community auf die besten Ideen. Dass diese und weitere Erkenntnisse reifen konnten, verdanken wir einem nie endenden Lernprozess, der zu unserem Glück Schritt für Schritt erfolgte. Würden die zwei 17-jährigen Gründer, als die wir damals starteten, in ihr heutiges Unternehmen „katapultiert“, wir wären wahrscheinlich bereits nach einer Woche pleite.

Mit dem Code unserer App wollen wir an einem neuen Kapitel Schule mitschreiben.

Eine Sache jedoch haben wir uns bei all dem Wandel erhalten können: den Anspruch im stetigen Dialog mit den Nutzerinnen und Nutzern unser Angebot auszubauen, Feedback einzubinden und damit ein gutes zusätzliches Lerninstrument zwischen Lehrer und Schüler weiter zu optimieren. Ein Lerninstrument, das selber dazulernt.

Uns ging und geht es um mehr als nur ein erfolgreiches Angebot zu entwickeln, mit dem Schülerinnen und Schüler, deren Noten zwischen Zwei und Drei liegen, sich in Richtung Zwei oder Eins verbessern können. Wir glauben daran, dass Wissen anders, individueller und skalierbar vermittelt werden kann – nicht um Lehrerinnen und Lehrer zu ersetzen, sondern gerade weil sich Pädagogik auf das konzentrieren sollte, was wirklich zählt. Wenn dabei alle an einem Strang ziehen, kann es gelingen, unser Bildungssystem auf ein neues Fundament zu stellen.

Ein weitreichendes Ziel? Vielleicht, aber wenn uns Weitreichendes abschrecken würde, hätten wir ganz sicher schon damals aufgehört, als uns selbst noch jede Reichweite fehlte.

Mehr Beiträge