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Ihre Fragen sind uns wichtig!

„Innovation“ – ein großes Wort, das viele Fragen aufwirft  

Ab wann wird eine Idee zur Innovation? Was braucht es, um diese in die Praxis umzusetzen? Wer oder was macht Deutschland eigentlich zum „Innovationsland“? Und was tut das Bundesministerium für Bildung und Forschung dafür?

Unter dem Titel #innovationsland Deutschland bringt das Bundesministerium für Bildung und Forschung seit Mitte September 2020 Menschen miteinander ins Gespräch, die sich in unterschiedlichster Weise mit der Zukunft unserer Gesellschaft auseinandersetzen: Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler genauso wie engagierte Bürgerinnen und Bürger, Gründerinnen und Gründer ebenso wie Politikerinnen und Politiker, Unternehmerinnen und Unternehmer wie Konsumentinnen und Konsumenten.

Den Auftakt zum spannenden Austausch machte „Perspektiven: das Online-Event“, in dessen Zentrum die Frage stand: Was zeichnet das #innovationsland Deutschland aus? Anja Karliczek, Bundesministerin für Bildung und Forschung, diskutierte mit vielen interessanten Gästen aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Rund 3.000 Zuschauerinnen und Zuschauern beteiligten sich aktiv per Chat und stellten den Protagonistinnen und Protagonisten live Fragen, die hier aufgegriffen werden.

Beteiligen Sie sich, diskutieren Sie mit, bringen Sie sich ein – im Rahmen der kommenden Veranstaltungen zum #innovationsland Deutschland. Wir freuen uns auf Ihre Fragen!

Themenbereich Europa 

Wer oder welches Gremium entscheidet bei der EU über die Vergabe von Fördergeldern für die Innovationsförderung?

Fördergelder für Forschung und Innovation werden über das EU-Rahmenprogramm für Forschung und Innovation, Horizont 2020 bzw. Horizont Europa (ab 2021), und deren Ausschreibungen vergeben. Eingereichte Anträge für F&I-Projekte werden zunächst formal von der Europäischen Kommission auf Vollständigkeit und die Einhaltung der einschlägigen EU-Förderregeln geprüft („eligibility check“). Beispielsweise müssen bei Verbundprojekten in der Regel mindestens drei Partner aus drei verschiedenen EU-Mitgliedstaaten oder assoziierten Staaten am Projekt beteiligt sein. 

Nach erfolgreicher formaler Prüfung erfolgt eine fachliche Prüfung der Projektvorschläge durch unabhängige Gutachterinnen und Gutachter mit ausgewiesenen Fachkenntnissen. Die Bewertung erfolgt nach einem einheitlichen Kriterien- und Punktesystem, das eine Förderung der besten eingereichten Projektvorschläge sicherstellt. Im Ergebnis entsteht eine Liste von Projektvorschlägen, die formal und inhaltlich als förderfähig beurteilt wurden. Die Verteilung der Fördermittel erfolgt dann entsprechend der erzielten Punktzahl und nach Verfügbarkeit der Finanzmittel durch die Europäische Kommission. Die Vergabe der Finanzmittel wird von den Mitgliedstaaten über die fachlich zuständigen Programmausschüsse kontrolliert. 

Welche Rolle spielen gemeinsame Standards in Europa?

Gemeinsame europäische Standards sind eine wichtige Grundlage für die gemeinsame Entwicklung und Nutzung von Innovationen. Daher wird bei der Entwicklung (technologischer) Innovationen Wert gelegt auf die Beteiligung der gesamten Wertschöpfungskette bzw. aller relevanten Akteure in einem Bereich. So wird gewährleistet, dass die entwickelten technologischen Innovationen in ganz Europa Anwendung finden und idealerweise auch Vorreiter im internationalen Bereich sein können. Das Gestalten gemeinsamer Standards stellt somit einen wichtigen Mehrwert für die Teilnehmer eines europäischen Kooperationsprojekts dar und sichert die Wettbewerbsfähigkeit des betreffenden europäischen Wirtschaftszweigs. 

Das Europäische Komitee für Normung (CEN), das Europäische Komitee für Elektrotechnische Normung (CENELEC) und das Europäische Institut für Standards in der Telekommunikation (ETSI) sind die drei Organisationen, welche die Aufgabe der Normung in Europa vertreten. CEN-CENELEC weist alle Ausschreibungsinhalte in Horizont 2020 mit Relevanz für die Normung auf einer separaten Webseite aus. Antragsteller, die einen Projektvorschlag für das EU Rahmenprogramm für F&I vorbereiten, der sich mit der Standardisierung befasst, können sich an den CEN-CENELEC Research Helpdesk wenden. 

Nicht selten stocken Projekte europäischer Partner, weil Ausschreibungs-Regularien (z. B. variierende Bedingungen in Mitgliedstaaten) dem entgegenwirken. Was tun?

Europäische Kommission und Mitgliedstaaten arbeiten kontinuierlich daran, die Förderregularien und Antragsprozesse möglichst unkompliziert zu gestalten, den (administrativen) Aufwand zu minimieren und gleichzeitig hohe Qualitätsansprüche einzuhalten. Aufgrund der sehr unterschiedlichen politischen und rechtlichen Strukturen der 27 Mitgliedstaaten und weiterer assoziierter Staaten ist dies ein nicht immer einfacher Prozess, der Kompromissbereitschaft und Augenmaß aller Beteiligten erfordert. 

Themenbereich Bildung

Wie können wir in Deutschland eine Kultur kontinuierlichen Lernens im Berufsleben weiter fördern? 

Der Grundstein für lebensbegleitendes Lernen muss schon in der Kindheit gelegt werden. Wir müssen die Neugier der Kinder wecken und bereits im Schulalter das „Lernen lernen“. Dies und ein solide Schul- und Berufsbildung sind die besten Grundlagen dafür, dass Menschen ein Leben lang ihren Bildungsweg weitergehen und selbstverantwortlich gestalten. Mit dem „Infotelefon Weiterbildungsberatung“ (www.der-weiterbildungsratgeber.de) unterstützt das BMBF Bürgerinnen und Bürger dabei, sich im Prozess des lebenslangen Lernens zu orientieren und eigene Ziele zu setzen.

Wie kann man die Hierarchie der Schulen/Schulämter dazu bringen, technikaffiner zu denken und zu fühlen (Ängste abbauen, Technikwissen aufbauen)? 

Technik ist in den Schulen. Allen Umfragen aus jüngster Zeit zufolge verfügen und nutzen fast 100% der Schülerinnen und Schüler und der Lehrkräfte Computer – entweder als PC oder als Smartphone. Wie zu erwarten, ist die Fähigkeit, ihr Geräte zu bedienen bei den Schülerinnen und Schüler als „digital natives“ deutlich höher als bei ihren Lehrkräften. Doch nicht einmal in den USA ist die Benutzungskompetenz von „digital natives“ gleichzusetzen mit digitaler Kompetenz. Denn: auch wenn man Social Media täglich nutzt, heißt das nicht, dass man sie auch planvoll und zielgerichtet einsetzen kann, so der US-Medienexperte Professor William Ward. 

Studien und Analysen aus den letzten fünf Jahren (KIM-Studie, JIM-Studie, Schule digital - Der Länderindikator, „Digitale Medien im mathematisch-naturwissenschaftlichen Unterricht der Sekundarstufe“ u.a.) zeigen, dass nicht der Abbau von Ängsten und der Aufbau von Technikwissen die Hemmschuhe darstellen, sondern die Entwicklung von Konzepten, digitale Medien im Unterricht pädagogisch sinnvoll einzusetzen. Das Vorhandensein von Technik ist eine Voraussetzung für digital unterstützten Unterricht. Aber auch wenn Schüler und Lehrkräfte mit Facebook, YouTube und Instagram viele Stunden am Tag verbringen würden, wäre damit noch keine einzige Aufgabe in irgendeinem Schulfach erklärt oder gelöst. Unterricht funktioniert eben nicht durch die Zugabe von Technik, sondern durch die Entwicklung von Inhalten und Ideen zu deren Einsatz.

Wenn die Schulen mit digitaler Infrastruktur ausgestattet sind, die Gelder des Digitalpakt investiert wurden, wer ist für die Pflege an den Schulen zuständig? Soll es da Verstetigung geben: z. B. "Hausmeister für Digitales". 

Mit der Zusatz-Verwaltungsvereinbarung zur Administratoren-Förderung wird der DigitalPakt Schule ergänzt um die Finanzierung von Administratoren und deren Qualifizierung, die durch die Investitionen zusätzlich benötigt werden. Die Administratoren sollen sich dann um die digitale Technik kümmern. Diese Zusatz-Vereinbarung steht unmittelbar vor dem Abschluss. Hierfür stehen zusätzlich 500 Millionen Euro zur Verfügung. 

Die Administration der schulischen Digitaltechnik ist allerdings nicht erst jetzt, sondern seit Beginn des DigitalPaktes förderfähig. Der Bund hat dies von Beginn an in die Verhandlungen eingebracht und zielt damit auf effiziente und wirtschaftlich tragfähige Lösungen ab, ohne die es nicht gehen wird. Diese Förderung ist Teil des Fördertopfes für landesweite Maßnahmen, für den insgesamt 250 Millionen Euro zur Verfügung stehen.

Nur mit technisch-organisatorischen Lösungen, die wie in Unternehmen und Verwaltungen heute üblich funktionieren, wird die Administration von schulischen IT-Infrastrukturen gelöst werden können. Die heute verbreiteten Vor-Ort-Administrationslösungen (oder „Administrations-Hausmeister“) sind eine zwar nötige Übergangslösung, aber weder wirtschaftlich noch nachhaltig.

Wie kann Interesse an Innovation und "Innovativem Denken" frühestmöglich gefördert werden, um im späteren Berufsleben Akzeptanz für Innovation zu vereinfachen?

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung fördert zahlreiche Schüler- und Jugendwett-bewerbe. Diese Wettbewerbe bieten die Möglichkeit, auch abseits des schulischen Curriculums Fragen zu stellen und neue Ideen zu verwirklichen. Dort können junge Menschen ihrer Neugier freien Lauf lassen und sich neuen Herausforderungen stellen. Wettbewerbe können und sollen die Kreativität und den Ideenreichtum von Schülerinnen und Schülern so früh wie möglich stärken; sie fördern somit die Bereitschaft innovativ zu denken und zu handeln. Gefördert wird z.B. der bundesweite Wettbewerb „JUGEND GRÜNDET“ für Schülerinnen und Schüler sowie Auszubildende; die Teilnehmenden agieren in der Rolle von Gründerinnen und Gründern, entwickeln eigene Geschäfts-ideen und planen deren Umsetzung. Beim Wettbewerb „Jugend forscht“ gehen die Teilnehmer selbst gestellten Fragestellung im MINT-Bereich nach und präsentieren ihre Ergebnisse.

Themenbereich Innovation 

Was tut das BMBF dafür, damit mehr Innovationen in Deutschland hervorgebracht werden?

Mit der Hightech-Strategie 2025 schaffen wir die Voraussetzungen dafür, dass Forschung und Innovation in Deutschland sich in einem von Kreativität, Agilität und Offenheit geprägten Umfeld entfalten können. Dazu setzen wir thematische Prioritäten und fokussieren unsere Anstrengungen in der Innovationsförderung auf Felder, die von besonderer Dynamik, großen Potenzialen für Wachstum und Beschäftigung und einem hohen Bedarf an innovativen Lösungen für drängende Fragen geprägt sind. Gleichzeitig entwickeln wir konsequent alle für einen fortschrittlichen Forschungs- und Innovationsstandort Deutschland erforderlichen Kompetenzen in Technologien, Aus- und Weiterbildung und Gesellschaft und stärken damit langfristig und nachhaltig die Zukunftsfähigkeit unseres Landes.

Bereits in den vergangenen zehn Jahren sind die Zukunftsinvestitionen des Bundes in Forschung und Entwicklung deutlich gestiegen. Damit Deutschland gestärkt aus der aktuellen CORONA-Krise hervorgeht und langfristig erfolgreich ist, hat der Koalitionsausschuss im Sommer 2020 zudem ein Zukunftspaket geschnürt, das einen klaren Schwerpunkt bei den Zukunftstechnologien und der Bildung setzt. Fast die Hälfte der Mittel, für die der Koalitionsausschuss grünes Licht gegeben hat, fließen in Zukunftsbereiche. Für Bildung, Forschung und Innovation wird die Bundesregierung mehr als 60 Milliarden Euro bereitstellen.

Wir haben viele Innovationen, aber wenig schnelle unbürokratische finanzielle Unterstützung (staatlich & Investoren). Wie wollen wir hier wieder Anschluss an USA und Asien bekommen?

Das deutsche Innovationssystem hat sich in den vergangenen Jahren als äußerst leistungs- und wettbewerbsfähig erwiesen. Dies zeigen nicht nur die Vergleiche internationaler Innovationsrankings, sondern auch die konkreten Erfolge innovativer deutscher Unternehmen auf internationalen Märkten. Einen wichtigen Beitrag hierzu hat die Innovationsförderung des Bundes mit ihrem breiten Portfolio an Unterstützungsmaßnahmen geleistet. Um angesichts eine wachsenden Dynamik wettbewerbsfähig zu bleiben, hat die Bundesregierung in der laufenden Legislaturperiode weitere Maßnahmen initiiert, die das bestehende Portfolio ergänzen und insbesondere auf disruptive Innovationen und schlanke Förderverfahren setzen. 

Die im Dezember 2019 gegründete Agentur für Sprunginnovationen ist daher als besonders flexibles und schnelles staatliches Förderinstrument konzipiert worden. Oberstes Ziel der Agentur ist die Entdeckung und Weiterentwicklung von Forschungsideen, die das Potenzial zur Sprunginnovation haben. Die Agentur setzt dabei auf einen personenzentrierten Ansatz: Innovationsentrepreneure sollen mit größtmöglichen Freiräumen bei der Steuerung die Vorhaben vorantreiben. Ihre Aufgabe ist es auch, die Markteinführung vorzubereiten. In dieser Legislaturperiode wurde außerdem eine steuerliche Forschungs- und Entwicklungsförderung eingeführt. Die steuerliche Förderung tritt dabei neben die gut ausgebaute Projektförderlandschaft und soll den Investitionsstandort Deutschland stärken und die Forschungsaktivitäten insbesondere kleiner und mittlerer Unternehmen anregen. Mit der Forschungszulage wurde ein schlankes und attraktives Instrument geschaffen, das die Wettbewerbsfähigkeit des Innovationsstandortes Deutschland weiter stärkt.  

Hat die Bundesregierung Mittel für branchenübergreifende Innovation vorgesehen?

Viele Strategien und Fördermaßnahmen der Bundesregierung sind lösungsorientiert und branchenübergreifend angelegt. Dies gilt zum Beispiel für die Nachhaltigkeitsforschung im Rahmenprogramm FONA oder auch die Strategie zur Künstlichen Intelligenz. Ebenso branchenübergreifend ist der missionsorientierte Ansatz der Hightech-Strategie. Die zwölf Missionen der HTS 2025 spannen ein Dach über verschiedene aktuelle Initiativen der Bundesregierung. Sie wurden in Feldern definiert, in denen eine Bündelung aller relevanten Akteure auch über Branchengrenzen hinweg hinter einem gemeinsamen Ziel notwendig ist, um weitere Fortschritte zu erzielen. Wir wollen mit den Missionen als neuem innovationspolitischem Instrument die ressortübergreifende Zusammenarbeit in der Forschungs- und Innovationspolitik stärken und Forschungsergebnisse gezielt in die Umsetzung bringen. Die Missionen der HTS 2025 umfassen die Themenfelder Gesundheit und Pflege, gutes Leben und Arbeiten, Mobilität, KI und eine offene Innovationskultur. Weiterhin werden für jetzige und nachfolgende Generationen Umwelt- und Nachhaltigkeitsherausforderungen durch mehrere Missionen gezielt angegangen. 

Wie sieht für Sie eine optimale Zusammenarbeit von Industrie und Wissenschaft aus, um Innovationen zum Wohle der Menschen voranzutreiben?

Ein zentraler Baustein unserer Forschung- und Innovationspolitik ist die Verbundprojekt-Förderung. Hier arbeiten innovative Unternehmen und Forschungseinrichtungen gemeinsam an Projekten, hier erfolgt der Transfer von Forschungsergebnissen aus der Forschung in die Anwendung, und hier werden auch neue Partnerschaften geknüpft, die über die eigentliche Förderdauer hinaus Bestand haben. Neben der Verbundförderung spielen Netzwerke und Cluster eine besondere Rolle, um dauerhafte Kooperationen zwischen Industrie und Wissenschaft zu knüpfen und zu stärken. 

Mit der Zukunftscluster-Initiative hat das BMBF hier in den letzten Jahren ein neues Instrument entwickelt, dass an die Erfolge der Spitzencluster-Initiative anknüpft. Die Zukunftscluster leisten einen besonderen Beitrag zum Wissens- und Technologietransfer. Sie knüpfen mit dem regionalen Ansatz der Clusterförderung unmittelbar an die Spitzenforschung an und sorgen so dafür, dass technologische sowie soziale Innovationen schneller im Alltag der Menschen ankommen. Mit unseren Zukunftsclustern verknüpfen wir Deutschlands Spitzenforschung noch frühzeitiger mit Fragen der Anwendbarkeit und setzen Innovationsprozesse zügiger in Gang. So werden aus den besten Ideen schnell neue Produkte, Prozesse und Dienstleistungen.

Wie kann die Bereitstellung von Risikokapital in D. stärker gefördert werden - ohne dass der Staat gleich mit einsteigt?

Uns ist es in den vergangenen Jahren gelungen die Bereitstellung von Risikokapital auszuweiten. Allerdings zeigt sich hier, dass der Markt alleine keine ausreichenden Finanzierungsmöglichkeiten schafft. Vor diesem Hintergrund ist weiterhin eine Finanzierungslücke zu beobachten. Ohne staatliche Anreize wird sich diese Lücke nicht schließen. 

Die Bundesregierung ist deshalb gefordert weiter daran zu arbeiten, die rechtlichen und steuerlichen Rahmenbedingungen für Wagniskapital zu verbessern und noch mehr Akteure aus der Wirtschaft als Wagniskapitalgeber zu gewinnen. Neue Maßnahmen müssen gezielt den Bedarf der Unternehmen treffen und gleichzeitig auf existierende private Geschäftsmodelle Rücksicht nehmen. Jungen Unternehmen steht bereits jetzt eine Vielzahl verschiedener etablierter und neuer Förderinstrumente zur Verfügung. Über den sog. Zukunftsfonds werden bereits im kommenden Haushalt 10 Milliarden Euro zusätzlich zur Startup-Finanzierung zur Verfügung stehen. Ein Teil des Geldes soll schon im nächsten Jahr fließen. Geplant ist außerdem ein sog. „Deep-Tech-Fund“ für bahnbrechende Innovationen, mit langen Entwicklungszeiten. Als Co-Investoren sollen sog. „Patient-Capital-Investoren“ gewonnen werden, wie beispielsweise Family Offices. Über Regularien und Risikosharing sollen auch institutionelle Anleger wie Pensionsfonds als Investoren gewonnen werden. 

Das BMBF unterstützt Startups darüber hinaus ganz gezielt durch spezifische Fachproramme wie beispielsweise GO-BIO. Dabei wurden hochinnovative Unternehmen wie BioNTech, das sich auf die Entwicklung und Herstellung von aktiven Immuntherapien spezialisier und zurzeit an einem CORONA-Impfstoff forscht, gefördert. Wichtig ist, dass der Staat die Grundlagen schafft, auf denen aufbauend die Unternehmen anschließend private Investoren finden. Hierzu wird im Rahmen von GO-BIO beispielsweise das Format Investmentlounge umgesetzt, um Kooperationen zwischen kapitalsuchenden Start-ups und Investoren anzustoßen. 

Was plant denn die Bundesregierung für Förderungen im Anschluss an z. B. ein Exist Gründerstipendium, um die Ideen der Start-ups in die Praxis zu bekommen?

Gründungsprozesse verlaufen sehr unterschiedlich, entsprechend unterschiedlich ist auch der Finanzierungsbedarf der Startups. Das Programm EXIST hat sich in der Vergangenheit als wichtiges Förderinstrument etabliert, es ist Ausgangspunkt für viele erfolgreiche Gründungsvorhaben aus Hochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen heraus. Im weiteren Gründungsprozess haben Startups zum Teil eine hohe Nachfrage nach weiterem Kapital von der Frühphase bis hin zur Finanzierung späterer Wachstumsphasen. Um die Ideen zu marktreifen Produkten weiter zu entwickeln und auch die notwendigen unternehmerischen Strukturen zu schaffen, sind daher weitere öffentliche und private Unterstützungsangebote notwendig. Ein bewährtes und anerkanntes Instrument der staatlichen Unterstützung ist dabei der High-Tech Gründerfonds, der als Public-Private-Partnership von BMWi, KfW und weiteren Partnern zu dem deutschlandweit größten Frühphaseninvestor herangewachsen ist. 

Ein einzelnes Finanzierungsinstrument kann nicht allein sicherstellen, dass der Transfer von der Ideenkonkretisierung im Rahmen des EXIST Gründerstipendiums hin zur erfolgreichen Realisierung der Gründungsvorhaben gelingt. Vielmehr geht es um ein funktionierendes Ökosystem der Gründungsfinanzierung. Hier haben Bund und Länder bereits ein breites Portfolio an Maßnahmen etabliert. Ergänzend dazu werden wir mit dem Zukunftsfonds nun ganz neue Finanzierungsdimensionen eröffnen und mehr als 10 Mrd. Euro zusätzliches VC-Kapital zur Verfügung stellen. Zudem werden neue Förderinstrumente wie beispielsweise die steuerliche Forschungszulage auch für Startups gelten. 

Was ist aktuell geplant, um schnelleren Zugang zu Forschungsgeldern zu erhalten? Gäbe es zum Beispiel die Möglichkeit zur Einrichtung eines Förderprogramms "Flexible Funds", für die schnelle Umsetzung solcher Projekte?

Neue Möglichkeiten der Flexibilisierung bieten alternative Förderinstrumente wie die Forschungszulage, da die Bescheinigung der FuE-Vorhaben einem deutlich geringeren administrativen Aufwand unterliegt. Die Bescheinigungsstelle ist angehalten, in einem sehr kurzen Zeitraum zu einer Entscheidung zu kommen. Ein Kernelement der Forschungszulage ist also der niedrigschwellige Zugang zu einer FuE-Förderung, KMU profitieren am stärksten von der Forschungszulage. Darüber hinaus bieten themenoffene Programme wie beispielsweise das Zentrale Innovationsprogramm Mittelstand (ZIM) oder KMU-Innovativ besondere Vorteile für KMU, weil für die Einreichung der Ideenskizzen keine zeitlichen Fristen vorgegeben sind und die Prozesse schnelle Entscheidungen mit relativ geringem bürokratischen Aufwand garantieren. Auch im Rahmen neuer Förderinstrumente wie der Agentur für Sprunginnovationen werden weitere Flexibilitätsräume geschaffen, um zu einer möglichst schnellen Umsetzung von der Idee zum Produkt zu kommen.

Der verantwortungsvolle Umgang mit Steuergeldern verlangt jedoch auch eine hinreichende Prüfung der notwendigen Vorgaben und der Qualität der Anträge. Die staatliche FuE-Projektförderung ist an Fristen gebunden, die nicht immer mit den privaten Entwicklungszyklen für FuE übereinstimmen. Gerade in Krisenzeiten wie der aktuellen Covid-19- Pandemie ist dies eine besondere Herausforderung. Daher hat das BMBF seine Förderprozesse im Zuge der Covid-19-Pandemie schnell angepasst und flexibilisiert. Diese Erfahrungen werden wir auch in Zukunft für eine weitere Optimierung unserer Programme nutzen können.

Was versteht das BMBF als Gastgeber dieses Events unter „Innovation“?

Unserer Forschungs- und Innovationspolitik legen wir ein umfassendes Innovationsverständnis zugrunde. Wir wollen eine Forschung, die auf aktuelle und zukünftige Bedarfe ausgerichtet ist und im Alltag der Menschen ankommt. Unser Ziel sind technologische und nicht-technologische einschließlich sozialer Innovationen, bei denen der Nutzen für den Menschen im Mittelpunkt steht. Dazu entwickeln wir Missionen und setzen uns ganz konkrete Ziele, hinter denen wir Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft vereinen. Mit der Hightech-Strategie 2025 fördern wir also ganz gezielt Forschung zu Aspekten, die für unsere Wirtschaft und Gesellschaft relevant sind. Kreativität, Agilität und Offenheit für Neues sind die Schlüssel, um die Gesellschaft der Zukunft zu gestalten und neue Perspektiven für Wachstum und Wohlstand zu eröffnen. Für innovative Ergebnisse brauchen wir innovative Formen der Zusammenarbeit, die Denkräume schaffen und neue Akteure in das Innovationsgeschehen einbeziehen.

Themebereich Nachhaltigkeit und Zukunftsvorsorge 

Wie wird das BMBF bei der Innovationsförderung Kriterien zur Erreichung der SDGs (Nachhaltigkeitsziele 2030) in den entsprechenden Ausschreibungen berücksichtigen?

Im Jahr 2015 wurde von den 193 Mitgliedsstaaten der Vereinten Nationen die Agenda 2030 mit den 17 Zielen für nachhaltige Entwicklung beschlossen – den Sustainable Development Goals (SDGs). Sie sollen dabei helfen, einen Einklang zwischen wirtschaftlich-technischem Fortschritt, sozialer Gerechtigkeit und dem Erhalt begrenzter natürlicher Ressourcen zu finden. Forschung und Innovation sind dabei zentrale Treiber für nachhaltige Entwicklung. Sie liefern uns neue Lösungen und Wege für nachhaltige Entwicklung. Forschung und Innovationen zeigen kreative Antworten auf die drängendsten Fragen unserer Zeit auf - nach einer nachhaltigen Wirtschaftsweise, Klima- und Ressourcenschutz, bei der Energiewende, dem demografischen und digitalen Wandel sowie bei sozialen Herausforderungen.

Durch die Forschungs- und Innovationsförderung trägt das BMBF auf vielfältige Weise zum Erreichen der SDGs bei: Die vom BMBF koordinierte Hightech-Strategie 2025 (HTS) bildet dabei das strategische Dach der Forschungs- und Innovationspolitik der Bundesregierung. Mit ihrem missionsorientierten Ansatz verankert die HTS das Leitbild für eine nachhaltige und klimafreundliche Entwicklung in der Innovationsförderung (SDG 9). Mit der neuen Strategie zu Forschung für nachhaltige Entwicklung FONA stärkt das BMBF darüber hinaus systematisch nachhaltige Innovationen etwa für die Energiewende, die Ressourceneffizienz und im Klimaschutz. Wir stärken unter anderem Forschung zu grünem Wasserstoff für bezahlbare und saubere Energieversorgung (SDG 7), zur Kreislaufwirtschaft und der Bioökonomie um Ressourcenverbrauch und Produktivität zu entkoppeln. So steigern wir nachhaltige Produktionen (SDG 12) und schützen das Klima (SDG 13), das Leben an Land (SDG 15) und unter Wasser (SDG 14). Weitere Informationen zur nachhaltigen Entwicklung im BMBF sind im Ressortbericht veröffentlicht:  https://www.bmbf.de/upload_filestore/pub/Ressortbericht_zur_nachhaltigen_Entwicklung.pdf.

Gerade im Bereich Smart City müssen wir uns dem Design soziotechnischer Systeme widmen. Wie ist diese Phase der Innovationsforschung vereinbar mit dem Anspruch der Forschungsförderung, eine zeitnahe Markteinführung zu gewährleisten?

Für uns steht Smart City für die Idee, eine nachhaltige Stadtentwicklung mit Hilfe smarter Technologien voranzubringen, deren Nutzung aber Hand in Hand gehen muss mit nicht-technischen Innovationen wie zum Beispiel innovativen Partizipationsformen. Die auf Nachhaltigkeit ausgerichtete Gestaltung sozio-technischer Systeme ist dabei Aufgabe einer smarten Governance, die Planungs- und Entscheidungsprozesse der Stadtentwicklung durch intelligente Vernetzung verschiedener Wirtschafts- und Lebensbereiche mit Unterstützung entsprechender Datenplattformen einerseits optimieren und andererseits durch Einbezug der Bevölkerung transparenter und demokratischer machen will. Dieser Ansatz zielt auf Verbesserung der Rahmenbedingungen für das Innovationssystem insgesamt. Die zeitnahe Markteinführung bestimmter Produkte oder Dienstleistungen profitiert von diesen Verbesserungen, weil sie durch die Partizipation eher akzeptiert und praktikabler in der Anwendung sind.

Wie wird der Wandel hin zur Klimaneutralität gefördert? Welche Innovationen gibt es bereits, um so schnell wie möglich tatsächlich CO2-Ausstoß in allen Sektoren stark zu senken?

Die jährlichen Treibhausgasemissionen müssen dreimal stärker gesenkt werden als bisher, um das Ziel der Klimaneutralität bis Mitte des Jahrhunderts zu erreichen. Der Klimaschutzplans 2050 der Bundesregierung formuliert dazu ambitionierte Ziele in alle Sektoren und das Klimaschutzprogramm 2030 macht dazu gesetzlich verbindliche Vorgaben für die erste Phase bis 2030. In manchen Bereichen, beispielsweise im Gebäudesektor, geht es dabei vor allem um die konsequente Umsetzung und Anwendung existierender Ideen und Lösungen für Klimaschutz. Aber Klimaneutralität kann insgesamt nur durch erhebliche zusätzliche Innovationsdynamik in allen Sektoren erreicht werden. Das BMBF hat Forschungsmaßnahmen auf den Weg gebracht, die die unmittelbaren Forschungs- und Innovationsbedarfe aufgreifen und dort ansetzen, wo die größtmögliche Hebelwirkung bei der Reduzierung der Treibhausgasemissionen möglich ist. Das BMBF fördert zahlreiche Forschungsprojekte, damit Industrie, Verkehr und Wärmeversorgung klimafreundlich werden. Die aktuell größte Initiative des Ministeriums zur Energiewende sind die Kopernikus-Projekte. Im vergangenen Jahr hat beispielsweise ein Kopernikus-Projekt die weltweit erste integrierte Luft-zu-Kraftstoffanlage in Betrieb genommen, die in vier Schritten Kraftstoff aus Luft und erneuerbarem Strom erzeugt. Der Kraftstoff ist klimaneutral und könnte zukünftig Flugzeuge, Schiffe und Busse antreiben. 

Grüner Wasserstoff, der auf Basis erneuerbarer Energien hergestellt wird, ist zentral für das Erreichen der deutschen Klimaziele. Grüner Wasserstoff muss dazu in allen Lebensbereichen funktionieren, also Mobilität, Wärme, Industrie, Energiewirtschaft und wir müssen grünen Wasserstoff wirtschaftlich in großen Mengen erzeugen, speichern, sicher transportieren und nutzen können. Mit Hilfe von grünem Wasserstoff ist es möglich, die deutsche Industrie klimafreundlich umzugestalten (insbesondere Stahl, Chemie, Zement, Müll) und gleichzeitig den Technologiestandort Deutschland zu erhalten und zu stärken. Das BMBF-geförderte Projekt Carbon2Chem nutzt Gase aus der Stahlerzeugung und wandelt sie mithilfe Grünen Wasserstoffs in Kunst- und Kraftstoffe sowie Dünger und Nahrungsergänzungsmittel um. Das verringert den CO2-Ausstoß - sowohl bei der Stahlerzeugung als auch bei der Chemieproduktion. Im Carbon2Chem Technikum wird das Verfahren schon heute praktisch angewandt. Auch für weitere emissionsintensive Industrien ist der Carbon2Chem-Ansatz eine vielversprechende Klimaschutz-Lösung. Ein zweiter zentraler Forschungsbereich ist die Dekarbonisierung wichtiger Wirtschaftsbereiche durch Reduktion prozessbedingter Emissionen in der Grundstoffindustrie oder Innovationen für Klimaeffizienz kleiner und mittelständischer Unternehmen. Neue Klimaschutzperspektiven in der in Forst- und Agrarwirtschaft sollen durch Forschung zu klimaneutralen Betrieben und Produktionsketten sowie den Potenzialen zur Steigerung der Senkenfunktion geschaffen werden. Schlüsselinnovationen für urbane Mobilität fördern das Wissen zu Systemlösungen für eine Trendumkehr bei den Emissionen aus diesem zentralen Sektor. Und das Thema Klimawandel ist endlich auch auf den Finanzmärkten angekommen. Durch Forschung zu Klimaschutz und Finanzmärkten werden zentrale Wissenslücken auf dem Weg zu einer nachhaltigen Finanzwirtschaft geschlossen und die maßgeblichen Akteure aus Bundesressorts, Bundesbank, Behörden, Finanzmärkten und natürlich der Wissenschaft untereinander vernetzt.

Themenbereich Innovationsförderung 

Wir arbeiten seit einigen Jahren privat an einer KI-Eigenentwicklung und beabsichtigen, uns damit selbstständig zu machen. Welche Fördermöglichkeiten für die bis zur Marktreife verbleibende Zeit gibt es?

Die Bundesregierung stellt im Rahmen der KI-Strategie verschiedene Förderangebote für die Forschung und Entwicklung zu Künstlicher Intelligenz und die Überführung der Ergebnisse zur Marktreife zur Verfügung und entwickelt diese kontinuierlich weiter. Informationen über Möglichkeiten der Förderung von KI-Forschung finden Sie beispielsweise auf der Webseite www.pt-sw.de. Auch themenoffene Fördermaßnahmen unterstützen bei der Überführung von Forschungsergebnissen zur Marktreife. So unterstützt die Fördermaßnahme VIP+ Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler dabei, das Innovationspotenzial von Forschungsergebnissen zu prüfen und nachzuweisen, mögliche Anwendungsbereiche zu erschließen und geeignete Verwertungswege, bspw. Gründungen, zu identifizieren und vorzubereiten. Zudem sei auf themenoffene Förderungen von Existenzgründungen, beispielsweise im Rahmen des Programms EXIST (www.exist.de) verwiesen. Die Förderberatung des Bundes (https://www.foerderinfo.bund.de/) hilft bei der Suche nach passenden Förderangeboten.

Setzt das BMBF auch weiterhin auf die Förderung von Innovationsclustern?

Die Förderung von regionalen Innovationsnetzwerken („Clustern“) ist ein zentrales, erfolgreiches Instrument des BMBF, um den Wissens- und Technologietransfer zu unterstützen. Das BMBF hat in den vergangenen Jahren in vielfältiger Weise herausragende Cluster in ihrem Aufbau und ihrer Entwicklung unterstützt. Dies geschah und geschieht in Querschnittsmaßnahmen wie Unternehmen Region, dem Spitzencluster-Wettbewerb oder der Förderinitiative Forschungscampus wie auch im Rahmen der Fachprogramme, etwa dem BioRegio-Wettbewerb, der Förderung von Gesundheitsregionen, Modellvorhaben zu Zukunftsstädten oder den Clustern „Zukunft der Pflege“.

Mit der Zukunftscluster-Initiative (Clusters4Future) hat das BMBF im August 2019 eine weitere zentrale themenoffene und langfristig angelegte Cluster-Maßnahme ins Leben gerufen. Im Fokus stehen junge bzw. neu aufkommende Wissens- und Technologiefelder und deren schnelle und umfassende Überführung in neue Wertschöpfung und gesellschaftliche Innovationen.

In welche Infrastruktur müssen wir in Zukunft vor allem investieren, digital, klar, aber was genau? Nur schnelles Netz oder auch europäische Plattformen Clouds etc., Geräteförderung für junge Unternehmen usw.?

Mit seiner Infrastrukturförderung verfolgt das BMBF verschiedene Förderziele: Bei der Entwicklung und Gestaltung von digitalen Infrastrukturen ist es wichtig, offene Strukturen zu unterstützen, die Wettbewerb fördern und insbesondere auch jungen, innovativen Unternehmen eine Marktteilnahme ermöglichen. Das BMBF zielt daher auf eine sichere Umsetzung von digitalen Infrastrukturen und die Gewährleistung der informationellen Selbstbestimmung von Bürgerinnen und Bürgern. Notwendig sind zudem Investitionen in Spitzenausstattung für Spitzenforschung und für die Ausbildung von Nachwuchs- und Fachkräften. Damit Forschungsergebnisse schnell für neue Anwendungen und Technologien genutzt werden, ist eine enge Zusammenarbeit von Wissenschaft und Wirtschaft zentral, verbunden mit bedarfsgerechtem Zugang zu Know-How und modernen Forschungsstrukturen.

Beispiele für vom BMBF geförderte Infrastrukturen:

  • Die Mikroelektronik als Hardware-Basis der Digitalisierung entwickelt sich rasant, getrieben durch Forschung. Weil dies erhebliche Investitionen in moderne Anlagen und Geräte erfordert, investieren wir in den Aufbau neuer Strukturen: mit der „Forschungsfabrik Mikroelektronik Deutschland (FMD)“ an außeruniversitären Forschungseinrichtungen und mit den „Forschungslaboren Mikroelektronik Deutschland (ForLab)“ an Hochschulen. 
  • In vielen Bereichen benötigt Spitzenforschung zunehmend eine hohe Rechenleistung. Darum bauen wir unsere Infrastruktur beim Supercomputing kontinuierlich aus. Dabei setzen wir auf die drei komplementären Spitzenrechner des Gauss Centre for Supercomputing (GCS) und eine enge europäische Zusammenarbeit. Das adressiert den steigenden Bedarf, in der Wissenschaft –weit über Klimamodelle hinaus – und vermehrt auch in der Wirtschaft.
  • Mit Blick in die Zukunft startet das BMBF bereits heute Aktivitäten zu kommenden Funktechnologien, die unter dem Begriff 6G zusammengefasst werden.
  • Mit GAIA-X treibt das BMBF zusammen mit anderen die Entwicklung eines neuen Datenraumes für Europa voran, in dem europäische Werte wie Datenschutz zentrale Gestaltungsaspekte sind. Auch hier ermöglicht die offene Struktur einen Wettbewerb der Ideen und wird durch ein modulares Konzept gleichzeitig zukunftssicher gedacht.
  • Die Quantentechnologien schaffen künftig vielfach die Basis dafür, unser Leben besser zu machen. Beispiele sind hochpräzise Messungen zur Erkundung von Lagerstätten oder Computer mit völlig neuen Eigenschaften zu Entwicklung von Medikamenten, zur Verbesserung von Verkehrsflüssen oder für die Klimaforschung. Dahinter stecken hochkomplexe Bauelemente. Dafür brauchen wir neue Forschungsinfrastrukturen – für die Entwicklung, die Fertigung und die Erprobung der Anwendungen.

Wir alle wollen Innovation und Digitalisierung. Was wird jedoch getan um die Daten darüber in Deutschland bzw. Europa zu schützen? Gibt es auch Entwicklungen zu sicheren Servern, Leitungen und Netzen in Deutschland oder Europa?

Das BMBF fördert in verschiedenen Programmen die Forschung und Entwicklung zur Sicherheit von digitalen Infrastrukturen und ihren Teilkomponenten, vom Mikrochip bis zur Benutzerschnittstelle. Darüber hinaus werden zahlreiche Projekte gefördert, die die Stärkung der Privatheit von Bürgerinnen und Bürgern zum Inhalt haben. In diesen Projekten werden neben technischen Fragestellungen auch gesellschaftliche und ökonomische Fragen untersucht. IT-Sicherheit kann in einer globalisierten Welt nicht lokal gedacht werden; Europa hat sich unter anderem mit der DSGVO klar zum Datenschutz bekannt. Daher wird in zunehmendem Maße die Vernetzung der Forschung in Europa unterstützt, insbesondere im Bereich der Cybersicherheit und mit Blick auf transnationale und sichere Dateninfrastrukturen (wie die GAIA-X-Initiative).