Catharina van Delden

Die Teamspielerin

von Catharina van Delden, Mitgründerin der Softwarefirma „innosabi“

Die Teamspielerin

Ausprobieren, loslegen. Oder auch: Den Prozess starten, auf die Reise gehen, offen bleiben für Neues. Das ist die Devise von Catharina van Delden, Mitgründerin und CEO von „innosabi“. Der führende Anbieter von Softwarelösungen für Innovations- und Ideenmanagement in Deutschland erstellt die Infrastruktur für unsere vernetzte Welt. Warum Menschen die wichtigste Ressource sind, um die digitale Transformation zu meistern, erläutert das jüngste Präsidiumsmitglied des IT-Branchenverbandes Bitkom hier selbst.

Ellbogen werden bei uns im Team höchstens ausgefahren, um die Kaffeetasse zum Mund zu führen. Wir sind ein Team aus strategischen Denkerinnen, Pionieren, Designern und Schöpferinnen. Und auch wenn es pathetisch klingt: Wir wollen nichts weniger als die Welt verändern. Das gelingt uns nur gemeinsam – wenn sich alle ihren Fähigkeiten entsprechend unbeschwert einsetzen können und nicht gegeneinander arbeiten. Wir entwickeln und erforschen die Möglichkeiten der Digitalisierung, wir machen damit agile und digitale Innovation möglich – und das können wir am besten im Team und in einer Atmosphäre, in der es erlaubt ist, Fehler zuzugeben. Nur so kann man daraus lernen und mit klarem Kopf nach vorne schauen. Ich bin fest davon überzeugt: Wir können und wollen niemals aufhören zu lernen und Neues zu entdecken. Neue Fähigkeiten zu erwerben ist nicht Ziel, sondern unabdingbares Mittel, um jeden Tag bestmöglich Ergebnisse im Digitalisierungs- und Innovationsbereich zu erzielen.


 

Gründerinnen und Gründer innosabi GmbH

innosabi GmbH


 

Wir bei „innosabi“ erstellen die Infrastruktur für unsere vernetzte Welt. Von Anfang an wollten wir eine Software entwickeln, in der die besten Ideen und die klügsten Köpfe zusammenfinden. Inzwischen haben wir spezialisierte Kollaborationstools für drei verschiedene Bereiche entwickelt: für die Zusammenarbeit auf der Ebene der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, zwischen Partnerunternehmen und mit den Kunden. Wir haben unsere Softwarefirma vor elf Jahren gegründet, damals studierten Jan Fischer, Hans Heid, Moritz Wurfbaum und ich noch. Dass wir heute eine spektakuläre Erfolgsstory erzählen, hätten wir uns damals in unseren wildesten Träumen nicht ausgemalt. Wir sind in diesem Jahr Teil der französischen Questel-Gruppe geworden, einem Anbieter für das Management von Erfindungen und Patenten. Wir wollen schneller wachsen, auch international. Seit unserem ersten Tag haben wir immer daran geglaubt, dass Innovation dort passiert, wo die richtigen Menschen, Ideen und das richtige Wissen zusammenkommen – und genau das ist bei der Integration passiert.

Wie unser Wunsch entstand, zu gründen? Damals hatten die drei Jungs eine erste Geschäftsidee: Im Fußballstadion Würstchen und Bier bereits vom Rang aus ordern – per SMS, denn Smartphones gab es noch nicht. Dieses Projekt wurde leider nie final umgesetzt, aber wir hatten Spaß daran, Ideen zu entwickeln, Dinge nach vorne zu bringen. Wir studierten alle noch, in meinem Fall übrigens nicht besonders zielstrebig: Ich habe auch im Studium viele Dinge ausprobiert. Zuerst Finanz- und Wirtschaftsmathematik, dann BWL mit Nebenfach Life- and Food-Science. Inspiriert hat uns damals eine australische Crowdsourcing-Geschichte: Ausgehend von der Marketing-Frage, wie man eine Nachfrage für ein Produkt entwickelt, das noch gar nicht existiert, schrieb ein Programmierer, der eine Biermarke designen wollte, eine E-Mail an 140 Leute. Ob sie dabei sein wollten, die neue Biermarke zu entwickeln? Mitentscheiden über Geschmack, Namen und Farbe der Flasche? Als Dank versprach er eine Aktie – und hatte innerhalb weniger Wochen 16.000 Menschen im Team! „Brewtopia“ ist inzwischen in Australien Marktführer für personalisierte Getränke-Labels. Uns hat damals die Herangehensweise überzeugt: Eine Menge Menschen sind ein unerschöpfliches Reservoir für gute Ideen. Crowdsourcing ist dynamisch, temporeich und effizient.
 

INNOSABI IST DURCH UNSEREN SPIRIT ENTSTANDEN, EINFACH LOSZULEGEN.



Einfach den Prozess starten – das ist ein Tipp, den ich gerne weitergebe. Oft höre ich von Gründerinnen oder Gründern „mir fehlt die Gründungsidee“. Ich vermute, dass es die eine geniale Idee oft nicht gibt. Aber es gibt Interessen, Themen, die einen beschäftigen. Von denen man glaubt, dass sie die Welt besser machen, dass sie ein Problem lösen. Und die wollen auf den Weg gebracht werden. Auch unsere Erfolgsgeschichte verlief nicht stringent nur aufwärts, wir haben Rückschläge akzeptiert, Ideen verworfen, den Kurs korrigiert. Sind flexibel geblieben, haben Pläne angepasst und Prioritäten verändert. Wovon wir allerdings nie abgerückt sind, auch nicht in kritischen Momenten, war der Gedanke, dass unsere grundsätzliche Konzeption neuer Denkweisen, unser Ansatz, auf die Kraft der Vielen zu setzen, der richtige für die Zukunft ist. Dieses Prinzip haben wir von Anfang an auch mit Blick auf unsere Kundinnen und Kunden verfolgt. Wir beziehen sie ein in die Entwicklung neuer Produkte. Und wir haben selbst von deren Erfahrungen profitiert. Durch sie haben wir Innovationsmethoden kennengelernt und diese in unsere praktischen Anwendungen einfließen lassen. So ist unsere einzigartige Software für agile Innovationsprozesse entstanden. Wir verknüpfen Daten, bringen Menschen zusammen und vernetzen Initiativen.
 

WIR WOLLEN INNOVATIONSPROZESSE BESCHLEUNIGEN.


Als Vierer-Leitungsteam hat jeder von uns klar abgegrenzte Aufgaben: Jeder kümmert sich um den Bereich, in dem er seine Stärken am besten einbringen kann. Wir vertrauen der jeweiligen Kompetenz der anderen, das hat sich bewährt. Ich zum Beispiel habe viel Empathie und die Fähigkeit, andere Menschen zu begeistern für das, was „innosabi“ sein will – nämlich „Thought Leader“ in den Bereichen Innovation und Digitalisierung. Dass ich einen spezifisch weiblichen Blick auf Aufgaben in diese Drei-Männer-eine-Frau-Konstellation einbringe, würde ich nicht sagen. Wir sind unterschiedliche Persönlichkeiten mit unterschiedlichen Sichtweisen und Fähigkeiten, Rollenbilder kümmern uns nicht. Im Unternehmen arbeiten ungefähr gleich viele Männer und Frauen, das hat sich einfach so ergeben. „Celebrate Individuality“: Nach dieser Devise suchen wir unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus. Jede und jeder soll seinen Stärken entsprechend arbeiten können, in seinem eigenen Rhythmus. Vertrauen untereinander spielt dabei eine große Rolle, nicht nur bei uns im Gründungsteam. Kürzlich fragte ein Kunde, ob es mich nicht stören würde, wenn jemand im Homeoffice während der Arbeit die Wäsche wäscht. Nein, habe ich geantwortet, das mache ich ja auch! Wir als Firma profitieren davon, wenn es unseren Mitarbeitenden gut geht.

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