Du brauchst nur das richtige Werkzeug

von Teja Philipp, Geschäftsführer und Gründer von Mr Beam Lasers

Du brauchst nur das richtige Werkzeug

Schon als Kind liebte Teja Philipp Werkzeuge aller Art – leider hatte sein künstlerischer Vater viel zu wenig davon. Später wollte er nicht mehr nur ein Rädchen im Getriebe, sondern Antreiber sein. Also gründete er ein Unternehmen für Desktop-Lasercutter. Aus Frust über fehlende Tools entwickelte der Informatiker und Bastler ein eigenes Werkzeug, mit dem neue Lebenswelten geschaffen werden und sich andere Menschen Existenzen aufbauen.

Bei der Geschichte mit dem Netzwerkkabel war für mich Schluss. So ein simples Teil für 3,50 Euro war tatsächlich der Grund, warum ich nicht weiter für Konzerne arbeiten wollte. Als Informatiker war ich in den 2000ern eine heißbegehrte Ressource und wurde von Firma zu Firma weitergereicht. Das waren alles Start-ups, also an sich ein spannendes Umfeld. Aber als das eine dann von einem amerikanischen Konzern übernommen wurde und ich zwei Wochen nicht arbeiten konnte, weil der Antrag auf eben jenes Netzwerkkabel noch nicht durch war, da hatte ich keine Lust mehr. Ich habe mich gefragt: „Was will ich eigentlich?“ Mir war klar: Ich brauchte wieder ein Bastelprojekt.

Phillip Teja

Als ich von zuhause auszog, habe ich mir als erstes Werkzeug gekauft. 

Ich habe Werkzeug immer gemocht. Schon als Kind. Leider hatte mein Vater viel zu wenig davon. Als Regisseur hat er eher eine künstlerische Ader. Deswegen bin ich immer zum Nachbarn. Der war Physiklehrer und hatte eine perfekt ausgestattete Werkstatt mit elektronischen Geräten, Modellflugzeugen, Lego-Technikbausätzen und so weiter. Stundenlang habe ich mit seinen Söhnen geschraubt, auseinandergebaut, zusammengesetzt. So habe ich gelernt, was Widerstände und Kondensatoren sind und wie Getriebe funktionieren. Das Erste, was ich getan habe, als ich von zu Hause ausgezogen bin, war: Werkzeug zu kaufen. Es ist eine Ermächtigung, man bekommt neue Fähigkeiten.

2013 habe ich mir also eine Auszeit gegönnt und einfach nur vor mich hin gebastelt. 3D-Druck war damals ein Hype-Thema, aber viele Entwicklungen waren noch in den Kinderschuhen. Hier wollte ich einfach mit meinen Software-Kenntnissen ansetzen und neue Möglichkeiten realisieren. So entstand die Idee des 3D-gedruckten Laser-Cutters. Das haben andere auch schon gemacht, aber ich fand es einfach charmant für mich, einen alten DVD-Brenner zu recyceln. Ich habe den Laser ausgebaut, programmiert und einen rustikalen Bausatz zusammengesetzt. Das Erste, was ich dann damit gelasert habe, war eine Geburtskarte. Und erst als ein befreundeter Schreiner fragte, ob ich ihm für die Holzgravur einen Cutter bauen würde, kam mir überhaupt die Idee, herauszufinden, ob an so einem Gerät mehr Interesse besteht.

Es ist super spannend, was andere Menschen mit unserem Gerät alles machen.

Open-Source-Software und Hardware war mein neuer Werkzeugkasten, mit dem ich ohne Kosten loslegen konnte. Wenn ich all diese Software-Komponenten selbst hätte programmieren müssen, dann wären zehn, 15 Jahre vergangen. Aber ich musste nicht alles von Grund auf neu schreiben, sondern konnte existierende Tools für meine Bedürfnisse anpassen.

Teamfoto Mr Lasers Beam

Das spiegelt sich jetzt mit Mr Beam wider: Ich ermächtige andere Leute, ihre Arbeit mit meinem Werkzeug zu entwickeln, zu automatisieren oder zu digitalisieren. Das ist super spannend. Das ist es, was mich an meiner Arbeit jetzt so motiviert wie niemals zuvor im Berufsleben. Weil ich sehe, wie andere Leute mit dem Werkzeug, das ich baue, abgehen. Es ist irre, was die Leute damit machen. Auf Instagram unter #madewithmrbeam findet man hochqualitative Produkte – vom personalisierten Geschenk bis zum Schaumstoffschwert für die Role-Play-Community. An so etwas hätte ich vorher nie gedacht.

Wir erfahren von so vielen berührenden Geschichten – das treibt mich an.

Auch die Geschichten, die hinter den einzelnen Projekten stecken, sind unheimlich berührend. Eine der ersten Käuferinnen, als es noch ein Kickstarter-Projekt war, hat sich damit selbständig gemacht. Sie war geschieden und alleinerziehende Mutter von drei Kindern in Kanada. Sie hat begonnen, Kanu-Paddel individuell zu gravieren, dann Hochzeitsgeschenke und Fotobücher mit Ledereinband. Inzwischen betreibt sie einen erfolgreichen Onlineshop. Ich fing an mit einer Geburtstagskarte – und hier baut sich eine Frau eine neue Existenz auf, um ihre Familie zu ernähren!

Dabei habe ich einfach eine Technologie, die industriell schon vorhanden war, Privatmenschen zugänglich gemacht. Damit habe ich nicht nur eine Marktnische entdeckt, sondern auch ein nützliches Produkt geschaffen, das es Menschen ermöglicht, mit wenig Aufwand Geld zu verdienen. Das hat mich dazu bewegt, weiterzumachen. Und privat ist es auch schön: Gerade baue ich mit Hilfe des Laser-Cutters zusammen mit meiner Tochter ein Puppenhaus.

Meine Gründer-Playlist

Mexican Institute of Sound - Sinfonía agridulce

Für mich ein All-Time-Favorite: Dieses Cover klingt kaputt, rauh, unfertig - aber die Melodie läuft und gefällt. Das erinnert mich insbesondere an die erste Umsetzung einer Idee: Nichts geht, alles kracht, aber man glaubt daran, ignoriert alle Zweifler und Kritiker und schreitet weiter voran, weil man einfach von der Idee überzeugt ist. Mir gefällt, was ich mache, drum mache ich weiter, und es ist mir gerade egal, wer alles was auch immer dazu zu sagen hat.

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Dota und die Stadtpiraten - Mittelinselurlaub

Als Gründer kommt man einfach nie aus dem Hier und Jetzt - insofern muss man sich das Hier und Jetzt eben maximal attraktiv ausmalen. Das Lied ist für mich ein perfektes Beispiel, wie das geht. Damit schaffe ich es, mich selbst zum Tagträumen zu bringen und gedanklich wegzudriften.

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Amanda Palmer - Creep

Eh schon ein verdammt gutes Lied, aber Amandas Version nur mit Ukulele und Stimme ist so erbarmungslos nackt. Es gibt keine Klangkulisse, wo sie sich verstecken kann oder wo etwas geschönt wird. Sie performt dieses Lied ganz auf sich gestellt und das Einzige, was sie dazu hat, ist ihre Stimme - mit allen Ecken und Kanten. Viele Gründer kennen vermutlich das beklemmende Gefühl beim ersten Pitch: Nur mit Idee und Prototyp muss man überzeugen - und kennt gleichzeitig die eignenen Schwächen so gut wie niemand sonst.

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Offspring - Self Esteem

Die erste CD, die ich als kleiner Junge vom Taschengeld gekauft hab - und bis heute auch ein All-Time-Favorite. Ungezwungen und naiv die Welt entdecken, irrationale Dinge machen, obwohl man es besser weiß, Konsequenzen durchleben ... und dabei einfach alle Hochs und Tiefs mitnehmen, das leichte Leben abfeiern und sich selbst nicht so ernst nehmen.

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Cesária Évora - Papá Joaquim Paris

Ich höre es einfach unglaublich gerne, es beruhigt mich und fühlt sich an wie ein doppelter Boden. Ich glaube, das liegt an der Fülle von Klang, dem konstanten Rhythmus und auch der überaus leidenschaftlichen Stimme. In schwierigen Situationen definitiv ein solider Anker.

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Muse - Time is running out

Das treibt an, das gibt Energie, das symbolisiert akustisch die perfekte Gratwanderung zwischen der extrem hohen Motivation und der Anstrengung, die daraus beim Arbeiten folgt. Und es bringt eine ganz wesentliche Sache auf den Punkt: Die Welt wartet nicht - auch nicht auf mich und meine Innovation - die entwickelt sich einfach mit

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