Fünf Lieder, die mich stets antreiben

von Tobias Kremkau, Head of Coworking des Berliner St. Oberholz

Fünf Lieder, die mich stets antreiben

Lieblingssongs, das sind Musikstücke ganz unterschiedlicher Genres und Interpreten, die je nach Tages- oder Jahreszeit wechseln können. Kompositionen, die uns berühren und bestätigen, antreiben und anrühren. Kaum etwas ist so direkt wie Musik, und manchmal reifen direkt beim Hören neue Ideen. Verschiedene innovative, kreative, neugierige Menschen verbinden mit bestimmter Musik bestimmte Situationen in ihrem Tagesablauf. Hier stellt Tobias Kremkau, Head of Coworking im Berliner St. Oberholz, fünf Titel vor, die ihn geprägt haben und prägen.

The Hives - Hate to Say I Told You So

Als Jugendlicher spielte ich im Verein Schach und unsere Punktspiele fanden stets an einem Sonntagmorgen gegen 9 Uhr statt. Um sowohl wach als auch in die richtige Stimmung für einen Schachkampf zu sein, hörten meine Kameraden und ich auf dem Weg zum Vereinslokal sehr laut Musik. Meistens Rock, Hauptsache aggressiv, wie unsere Spielweise.

Ich mache das immer noch heute, wenn ich eine wichtige Besprechung habe oder sehr früh schon geistig aufmerksam sein muss. Dann höre ich mir gerne „Hate to Say I Told You So“ der schwedischen Alternative-Rock-Band „The Hives“ an. Danach bin ich leicht geladen, sozusagen in der Halb-Acht-Stellung, und für alles bereit, was auf mich zukommt.

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Keine Zähne im Maul aber La Paloma pfeifen - Leb so, dass es alle wissen wollen

Dieses Lied der Kieler Post-Punk-Band „Keine Zähne im Maul aber La Paloma pfeifen“ haut mich stets vom Neuen um, wenn ich es höre und es kann gut sein, dass ich es mir dann fünfzehn oder zwanzig Mal hintereinander anhöre. Es ist voller wichtiger Erkenntnisse, die man, einmal gehört, nicht mehr ignorieren kann, ohne sich dabei selber zu belügen.

Es erinnert mich immer daran, dass auch ich manchmal drohe vom Weg abzukommen, mich in Gesten oder Stimmungen zu verlieren und nicht mehr auf mich, mein Wohlbefinden oder das, was mir persönlich wichtig ist, acht zu geben. In solchen Situationen denke ich an dieses Lied und versuche, egal wie schwierig es sein mag, mir und meinen Werten treu zu bleiben.

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Ja, Panik - Libertatia

Philosophie kann auch weniger düster sein, manchmal sogar wesentlich utopischer. Dieses Lied der österreichischen Indie-Rock-Band „Ja, Panik“ ist nicht nur musikalisch ein Ohrwurm, der mich manchmal tagelang nicht loslässt, sondern auch eine stete Erinnerung an die Option, einer freiheitlichen, multikulturellen und emanzipatorischen Zukunft.

Die Zukunft ist kein zwangsläufiges Produkt unserer Gegenwart, sondern kann verändert werden und was heute noch wie eine Utopie wirkt, kann morgen schon Realität werden. Es motiviert mich, den ökonomischen Rationalismus unserer Zeit durch den Versuch einer alternativen Vorstellung von Leben und Arbeiten zu überwinden und Libertatia zu finden.

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Pulp - Common People

Ich bin Mitte der 1980er Jahre in der damaligen DDR geboren und in der Nachwendezeit im Osten groß geworden. Meine Familie lebte lange von Hartz 4. Es fehlte uns dank meiner Mutter zwar an nichts, doch seit meinem Studium in München, dank Hartz-4-Familie mit BAföG-Höchstsatz, und meinem heutigen Umfeld, ist mir bewusster, wo ich herkomme.

Noch immer verhandle ich Gehälter schlechter als meine westdeutschen Kollegen, denke eher an das Jetzt als an eine Karriere und hatte noch nie einen ostdeutschen Chef. Dieses Lied der Britpop-Band „Pulp“ aus Sheffield erinnert mich immer daran, dass ich trotz allem jemand bin, eine eigene Identität habe und es darauf ankommt, immer man selbst zu sein.

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Kodaline - Ready

Ich weiß, wo ich herkomme und deshalb auch, was es heißt, arm zu sein. Mir ist aber genauso bewusst, was ich alles kann und was ich schon alles erreicht habe. Die wichtigste Erkenntnis dabei war für mich, dass ich mich immer wieder neu erfinden kann, etwas Neues kennenlernen, verinnerlichen und mit der Zeit auch meistern kann. Und das immer wieder.

Auch ich weiß nicht, was die Zukunft bringt und wie der Protagonist in diesem Lied der Dubliner Alternative-Rock-Band „Kodaline“ habe auch ich manchmal Angst. Dieser Druck lähmt mich aber nicht, denn ich habe das, was mich interessiert, zu meinem Beruf gemacht. Wenn ein Lied meine persönliche Einstellung wiedergibt, dann ist es wohl dieses hier.

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