Immer auf der Suche nach dem nächsten „Gamechanger"

ist Investor Dr. Paul-Josef Patt. Doch wie erkennt er die?

Immer auf der Suche nach dem nächsten „Gamechanger"

Als Venture Capitalist bringt Dr. Paul-Josef Patt mit seiner Firma eCAPTIAL AG innovative Unternehmen in den internationalen Markt. Worauf es dabei ankommt, erzählte er im Rahmen der siebten Ausgabe von Neugier: die digitalen Q&As rund 1.800 Zuschauerinnen und Zuschauern.

Eine Batterie für das Haus: Das war die Idee der Gründer Christoph Ostermann und Torsten Stiefenhofer aus dem Allgäu. Mittlerweile ist ihre Firma „Sonnen“ Weltmarktführer in Sachen Batteriespeicher für Privathaushalte und Kleinbetriebe. Ihrer Heimat Wildpoldsried konnten die Gründer treu bleiben.

Unternehmen brauchen die passenden Partner

Allein mit ihrer guten Idee hätten es die Gründer aber wohl nicht ganz nach oben geschafft. „Dafür muss man sich bekannt machen, ins Marketing und den Vertrieb investieren, um so erst den deutschen und dann den internationalen Markt zu erschließen“, sagt Dr. Paul-Josef Patt. Dazu brauchen Unternehmen einen Partner, der ihr Potenzial erkennt, sie mit seinem Know-How weiterbringen kann und, natürlich, auch Geld generiert. Patt weiß, wie das geht. Mit seiner Firma eCAPITAL gilt er als einer der erfolgreichsten deutschen Technologie-Investoren. In die Firma Sonnen hat sein Team gemeinsam mit anderen Investoren rund 160 Millionen Euro investiert. 

Dr. Paul-Josef Patt

Wie bekommt man einen Riecher für Zukunftsthemen? Erfahrung! Und man muss das Risiko eingehen, auch Fehler zu machen.“

Dr. Paul-Josef PattCEO von eCAPITAL

Dabei ist Patt immer auf der Suche nach dem nächsten „Gamechanger“, also einem Unternehmen, das eine ganze Branche durch disruptive Technologie grundlegend verändert. „Idealerweise sind das Ausgründungen aus Hochschulen oder Institutionen, die mit vielen Patenten ausgestattet sind und gezeigt haben, dass ihre Technologie zumindest in Ansätzen funktioniert“, sagt Patt. Dann kommt eCAPITAL ins Spiel. „Wir helfen den Firmen bei der Skalierung, wollen aus einer Million Euro Kapital möglichst schnell 100 Millionen machen.“ Dafür braucht es mehr als Geld. „Wir bieten den Firmen strategische Unterstützung und Zugang zu unserem internationalen Netzwerk von Unternehmen, Wissenschaftlern, Investoren und Gründern.“

2.000 Bewerbungen von Unternehmen pro Jahr – in 100 wird investiert

Auf dieses Know-how kommt es vor allem dann an, wenn es mal nicht so gut läuft. Beim Aufbau eines Unternehmens sei das völlig normal. „Da kommt immer die nächste Katastrophe um die Ecke“, sagt Patt. „Da haben wir dann die Erfahrung, um damit umzugehen, erst einmal in Ruhe die Situation zu analysieren, keine Panik aufkommen zu lassen.“ Wie wertvoll da das Netzwerk ist, merkte Patt, als die Corona-Krise begann. „So eine Situation ist gerade für junge Start-up-Gründer etwas völlig Neues. Für die ging es im Leben oft ja immer nur bergauf“. eCapital habe dann Videokonferenzen zwischen den 35 Firmen im Portfolio organisiert. Die Unternehmerinnen und Unternehmer überlegten gemeinsam, wie sie sich aufstellen müssten, um auch mit Corona zurechtzukommen. 

Es ist keine Überraschung, dass viele Neuunternehmen gern von diesem Know-how profitieren würden. Pro Jahr bekommt Patt rund 2.000 Bewerbungen. Bei etwa 100 entscheidet sich eCapital für eine Investition. „Aber auch wenn wir uns dagegen entschieden haben, sollten die Gründer trotzdem am Ball bleiben“, rät Patt. Es sei gerade die Widerstandsfähigkeit, die erfolgreiche Unternehmer auszeichnet. Und genau darauf achtet er auch bei der Auswahl seiner Partner. Man müsse bereit sein, „unheimlich viel Frustration“ auszuhalten, wenn man als Unternehmer erfolgreich sein will. Und es auch in Kauf nehmen, scheitern zu können. „Das ist gerade in Deutschland noch nicht so verbreitet, aber das Scheitern gehört dazu.“ Aus nichts könne man so gut lernen, wie aus Fehlern – und es dann, beim nächsten Mal, besser machen.

Großes Potenzial sieht Patt in Deutschland auch noch, wenn es darum geht, die Innovationen aus der Wissenschaft in Unternehmen zu verwandeln. In der Forschung würde Deutschland im weltweiten Vergleich „sehr gut“ dastehen. Während sich aber in den Bereichen Internet und Medien inzwischen eine Wagniskapital-Szene entwickelt habe, scheuten viele Geldgeber offenbar noch immer den Technologiesektor. „Vielleicht fehlt ihnen die Geduld, oder auch die Risikobereitschaft etwa der Amerikaner.“ Doch Patt ist auch zuversichtlich: „Den Vorsprung kann man aufholen.“

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