Irene Kilubi

Macherin und Mentorin

von Dr. Irène Kilubi, Gründerin und Geschäftsführerin des Start-ups „brandPreneurs & brandFluencers

Macherin und Mentorin

Dr. Irène Kilubi unterstützt als Expertin für Innovationsstrategien Menschen, die wirklich etwas verändern wollen – sogenannte „Changemaker“. Insbesondere liegt ihr die Förderung generationsübergreifender Zusammenarbeit am Herzen, wofür die Unternehmensberaterin die Initiative „Joint Generations“ ins Leben gerufen hat. Sie ist sich sicher: Wer Wissen teilt, kann nur gewinnen. Wie das in der Praxis funktioniert, berichtet sie hier.

Jede Innovation beginnt mit einer Idee. Menschen sind das wertvollste Gut in Innovationsprozessen – genau deshalb fördere ich Vernetzung und Dialogformate. Mein Start-up kümmert sich unter anderem darum, bei Marken und Unternehmen Strategien zur Einbeziehung der Gemeinschaft in den Vordergrund ihrer Marketinginitiativen zu stellen. Die Vorteile des gemeinschaftlichen Engagements sind enorm: Es fördert die Markentreue und trägt zur Entwicklung des Markenkerns bei.

Dr Irene Kilubi

brandPreneurs & brandfluencers

Wenn man mich fragt, was meinen ganz persönlichen Markenkern ausmacht, lautet die Antwort: „Ich bin authentisch.“ Was ich zu sagen habe, was ich gerne weitergebe, damit andere davon profitieren, habe ich selbst durchlaufen. „Walk to talk“, wenn man so will: Ich gebe Erfahrungen und Tipps weiter, die bei mit selbst funktioniert haben. Meine Spezialgebiete sind „Community Building“, „Corporate Influencer Strategy“ und „Connecting GenXYZ“. Dabei geht es immer darum, Menschen zusammenzubringen, Wissen weiterzugeben und dadurch besser zu werden. Das gilt für große wie kleine Unternehmen, wie ich bei meinen beruflichen Stationen bei BMW, Siemens oder Deloitte, aber auch in der Start-up-Branche beobachtet habe.

Social-Selling-Aktivitäten und zielgruppenorientierte Go-to-Market- und Branding-Strategien zu entwickeln und umzusetzen ist superspannend. Mir macht es Spaß, viele Bälle in der Luft zu halten. Manchmal wundere ich mich selbst, was ich alles angestoßen habe. Welches Mindset für Innovationen nötig ist? Große Offenheit! Die Lust, etwas auszuprobieren! Jede und jeder sollte seiner Passion folgen. Ich habe noch nie gehört, dass jemand verhungert wäre, nur weil er seinem Lebenstraum folgt. Einfach loslegen! Und übrigens auch darüber reden: Es ist hilfreich, anderen davon zu erzählen. Oft beobachte ich, dass Gründungwillige Barrieren im Kopf aufbauen: Sie spielen schon bei den ersten Ansätzen das Scheitern durch. Wer der eigenen Idee mit Angst gegenübertritt, hemmt sich. Ich würde die Devise ausgeben: Keine Angst vor Fehlern! Das bestätigt meine eigene Erfahrung. Ich gönne mir eine eigene Fehlerkultur.

Liege ich mit einer Idee daneben, lerne ich daraus

Bei Fehlern gibt es nichts zu bedauern – bedauerlich ist etwas, das ich gar nicht erst begonnen habe! Beim Thema Scheitern würde ich mir wünschen, dass wir in der Gesellschaft offener werden und mehr Räume fürs Ausprobieren und den Austausch lassen. Das wünsche ich mir nicht nur für Deutschland, sondern für Europa. Als Expert Advisor des European Innovation Council Accelerator der Europäischen Kommission kann ich daran mitwirken, dass Innovationen schneller bei den Menschen ankommen. Die EU will die Rahmenbedingungen innerhalb Europas verbessern, damit Forschungsergebnisse dynamischer einfließen können, um auch die Wirtschaftskraft zu stärken. Ich unterstütze unter anderem die globale Start-up-Szene als Mentorin.

Dabei liegt mein Interesse auch bei den Themen Diversität und Identität. Das liegt an meiner Lebensgeschichte. Wir kamen als Flüchtlinge nach Deutschland. Meine Familie stammt aus der Demokratischen Republik Kongo, meine Eltern wurden politisch verfolgt. Wir sind in einem kleinen Ort in der Nähe von Bonn in der Voreifel gelandet und waren die einzige Familie mit dunkler Hautfarbe – das waren schwere Zeiten. Wir hatten immer eine Sonderrolle, haben teils massive Ablehnung erfahren. Ressentiments waren immer spürbar – etwa, als meine Eltern dafür kämpfen mussten, dass ich das Gymnasium besuchen konnte. Dort gab es zwiespältige Erfahrungen: Es gab Lehrerinnen und Lehrer, die haben mich gefördert und ermuntert, andere aber sprachen mir aufgrund meiner Herkunft die Fähigkeit ab, es bis zum Abitur zu schaffen. Wir mussten damals viele Steine aus dem Weg schaffen.

Vielleicht liegt es an dieser Prägung, dass ich so gerne Barrieren abbaue und gesellschaftliche Prozesse gestalte, etwa in der generationsübergreifenden Zusammenarbeit.

Junge können von Alten lernen – und umgekehrt.

Es braucht offene Kommunikation, Vertrauen und Mut, um neue Wege zu gehen. Jede Generation bringt ihren eigenen Erfahrungsschatz mit, der geprägt ist von den jeweiligen Lebenseinflüssen. Einflüsse und Erfahrungen, die ganze Länder, Kulturen und Altersstufen beeinflussten und sich im Lebensverlauf als prägend erweisen. Sowohl die Generation Babyboomer als auch die Generationen X, Y und die um die Jahrhundertwende geborene Generation Z verfügen über unterschiedliche Denk- und Handlungsmuster, wenn es um ihre Arbeitsweise geht. Es lohnt sich, all dieses Wissen zusammenzubringen. Auf digitalem Weg, mit Hackathons und Matching-Apps – und ganz analog, wenn das Pandemiegeschehen es wieder zulässt, in persönlichen Treffen bei Festivals und Netzwerk-Events. Darauf freue ich mich schon jetzt!

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