Marie Langer

„Mindset zum Abendbrot“

Von Marie Langer, CEO der EOS GmbH

„Mindset zum Abendbrot“

Marie Langer übernimmt gerne Verantwortung: Für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des von ihrem Vater gegründeten Unternehmens EOS, Pionier des industriellen 3-D-Drucks. Aber auch für die Umwelt, denn die Fertigungswelten der Zukunft sollen Ressourcen schonen und weniger CO2 ausstoßen. Technik zum Wohle der Menschen und nicht auf Kosten unseres Planeten: Das ist für Marie Langer Innovation, wie sie hier schildert.

Oft werde ich gefragt, wie wir es im Unternehmen hinbekommen haben, den Generationenwechsel zu gestalten. Das war ein fließender Übergang und wir wurden als Familie dabei von einem Coach begleitet. Schritt für Schritt. Als ich mein Psychologiestudium begonnen habe, stand ganz klar das Interesse im Vordergrund. Damals hatte ich die Unternehmensnachfolge noch nicht auf dem Schirm. Unser Vater hat weder meinen Bruder, der Physik studiert hat, noch mich in diese Rolle gedrängt. Was wir allerdings am Abendbrottisch nebenbei mitbekommen haben, war das unternehmerische Mindset. Meine Eltern besprachen strategische Fragen oder auch Personalentscheidungen in unserer Anwesenheit, das war interessant. Als dann mein Vater seine Nachfolge regeln wollte, haben mein Bruder und ich grundsätzlich überlegt, wer welche Rolle spielen will.

Marie Langer

EOS GmbH

Bei mir hat sich herauskristallisiert, dass ich gerne Verantwortung übernehme. Ich habe meinen Vater lange Zeit begleitet und nach und nach Teilbereiche übernommen. Seit nun bald zwei Jahren verantworte ich als CEO der EOS GmbH die strategische Ausrichtung für das global agierende Unternehmen. Digitalisierung und Industrialisierung sind wichtige Stichworte, genauso aber auch Nachhaltigkeit und Unternehmenskultur. Dabei geht es um die Integration des industriellen 3-D-Drucks in die digitale Wertschöpfungskette der Produktion und die weitere Industrialisierung der Technologie für die Serienfertigung. Gleichzeitig möchte ich Innovation und Nachhaltigkeit mit dem Ziel verbinden, eine verantwortungsbewusste Produktion zu ermöglichen. Kunden wettbewerbsfähige Lösungen anzubieten, muss nicht auf Kosten der Nachhaltigkeit gehen.

Ich begreife das Zweifeln als Teil des Jobs.

Selbstverständlich gab und gibt es Momente, da frage ich mich, ob die Fußstapfen meines Vaters zu groß sind. Auch wenn ich großen Rückhalt im Unternehmen spüre, wenn viele Beschäftigte sich freuen, dass wir die Familientradition fortführen, gibt es zweifelnde Stimmen. Manche fragen sich, ob ich es als Psychologin draufhabe, an der Spitze eines global agierenden Technologieanbieters zu stehen. Wie ich damit umgehe? Ich vertraue auf meinen inneren Kompass, begreife auch das Zweifeln als Teil des Jobs und frage mich immer wieder: Was kann ich noch besser machen?

Mir ist schon klar, dass ich mir Glaubwürdigkeit erarbeiten muss – auch das verstehe ich als eine Aufgabe, die ich gerne erledige. Ich habe eine Vision: Dass der industrielle 3-D-Druck von EOS technologisch führend bleibt und darüber hinaus einen nachhaltigen Beitrag zur Lösung der großen Herausforderungen unserer Welt leistet. Mit unserer Technologie möchten wir nicht nur wirtschaftliches Wachstum fördern, sondern gleichzeitig einen positiven ökologischen und sozialen Beitrag leisten. Für mich war von Anfang an wichtig, dass wir den strategischen Fokus noch stärker auf Nachhaltigkeitsziele setzen. Das war eine meiner Bedingungen an meinen Vater dafür, die Rolle des CEO von EOS zu übernehmen. Auf der anderen Seite haben uns unsere Eltern genau dieses umweltbewusste Wertefundament vermittelt. Keine Frage, ich habe einen Change-Prozess angestoßen, hinzu kam die Corona-Pandemie, die nochmal neue Herausforderungen mitbrachte. Ich setze auf positive Führungskultur, flache Hierarchien, Team-of-Teams-Ansätze und eine nachhaltige und digitale Transformation.

Wir bringen die Technologie zum Fliegen.

Additives Fertigungsverfahren

EOS GmbH

Bei unserer Technologie handelt es sich um ein sogenanntes „additives Fertigungsverfahren“, bei dem Bauteile Schicht für Schicht aus Kunststoff- und Metall-Pulverwerkstoffen aufgebaut werden. Konventionelle Verfahren tragen im Gegensatz dazu Material ab. Ich bin davon überzeugt, dass in unserer Technologie das Potenzial steckt, die industrielle Wertschöpfungskette maßgeblich zu verändern. Wir werden die digitalisierten Fertigungswelten der Zukunft prägen, in unendlich vielen Produkten, die in enormem Tempo entstehen. Im Konsumbereich oder in der Medizintechnik sind das heute bereits etwa Brillenfassungen oder medizinische Einlegesohlen – individuell angepasst auf die Bedürfnisse und nach den Wünschen des oder der Einzelnen. Auch hochkomplexe, funktionsintegrierte Produkte, die hohen Mehrwert generieren, werden heute bereits additiv gefertigt. 3-D-gedruckte Bauteile spielen eine zentrale Rolle für Flugzeuge und die Raumfahrt, denn hochbelastbare Leichtbauteile senken Treibstoffverbrauch und Materialkosten. Gemeinsam mit führenden Luft- und Raumfahrtunternehmen bringen wir die Technologie zum Fliegen.

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