Jordanova Porträt

Mir hat es geholfen, dass ich keine Geduld habe

von Plan A-Gründerin Lubomila Jordanova

Mir hat es geholfen, dass ich keine Geduld habe

Lubomila Jordanova war Investment-Bankerin in London. Eine gutverdienende. Doch irgendetwas fehlte. Ein Schlüsselerlebnis in Marokko sorgte dafür, dass sie sich dem Klimaschutz verschrieb. Heute hilft sie Unternehmen, deren CO2-Fußabdruck zu minimieren – und wurde von Forbes letztes Jahr in die renommierten „30 under 30“ gewählt. Welche Hürden sie auf dem Weg dorthin überwinden musste, erzählt sie hier.

Am Anfang waren da nur mein Laptop und ich in einem Londoner Café. Es gab kein Startkapital – nur meinen Antrieb. Geduld ist eine Tugend, heißt es ja immer. Für mich gilt das nicht. Mir hat es geholfen, dass ich keine Geduld habe. Wenn ich ein Problem sehe, will ich es sofort lösen. Ich will die Situation verändern und mit Leuten sprechen, um die Gründe zu erforschen. Das passt zu meiner Mission: Umwelt- und Klimaschutz. Der Klimawandel wartet nicht.

WENN ICH DIE ZEIT UND DIE KENNTNISSE HABE, ETWAS ZU VERÄNDERN, DANN MUSS ICH DAS MACHEN.

Mein Schlüsselerlebnis war ein Surfurlaub in Marokko. Ich lag auf meinem Strandtuch und habe meinen Freunden beim Surfen zugeschaut. Da bemerkte ich den ganzen Müll am Strand. Ich stand auf und begann zu sammeln. Nach zwei Stunden hatte ich sechs Müllsäcke voll. Anstatt zu surfen, habe ich dann die ganze Woche Abfall gesammelt. Ich flog nach London zurück und beschloss, meinen Job als Investmentbankerin aufzugeben und eine Firma für Umweltschutz zu gründen. Ich gründete Plan A – weil es keinen Plan B für unseren Planeten gibt.

Ich habe ein Jahr lang recherchiert, wissenschaftliche Meinungen eingeholt, Daten gesammelt und Informationen über Investitionen im Bereich Klimawandel gesucht, um zu verstehen, wo es positive Verbindungen gibt. Und musste feststellen: Es gab keine. Das große Geld für Klimaschutzprojekte liegt punktuell bei einigen großen Ländern und Organisationen, aber es gibt keine breitgefächerten, kollaborativen Initiativen. Das Wissen ist da, das Geld ist da, aber niemand verknüpft das. Das habe ich dann zu meiner Mission gemacht. Ich war überzeugt, dass ich meine Kenntnisse nirgendwo besser einsetzen konnte als für diese Mission.

Plan A

Plan A

Volle Überzeugung ist der einzige Weg, durch herausfordernde Zeiten zu kommen

Bei einem Venture Fund in Bangkok hatte ich viel gelernt über Start-ups: wie Menschen Ideen entwickeln, wie diese zu Unternehmen werden und wie sie finanziert werden. Diese Erfahrungen gaben mir eine umfassende Einsicht und die Zuversicht, es selbst zu versuchen. Ich wollte mein Wissen einbringen und einen innovativen Ansatz finden. Wenn ich die Zeit und die Kenntnisse habe, etwas zu verändern, dann muss ich das machen. Das ist meine Überzeugung.

Plan A

Plan A

 Das Ganze begann zunächst als Crowdfunding-Plattform für grüne Projekte, dann kam Consulting mit Algorithmen dazu, jetzt arbeiten wir mit einer skalierbaren Software. Natürlich laufen die Dinge zu Beginn nicht wie geplant. Als Unternehmerin muss man beharrlich und konsequent sein. Wenn man erstmals eine Gründerin wird, dann muss einem bewusst sein, dass es ungeahnte Hürden und schwierige Momente geben wird. Volle Überzeugung ist der einzige Weg, durch herausfordernde Zeiten zu kommen.

Mich hat immer das Gefühl der Dringlichkeit getrieben. Der Klimawandel wartet nicht. Dieser Antrieb hat uns im ersten Jahr etwas gebremst. Wir hatten eine Fülle von Datenmaterial und damit haben wir potenzielle Investoren, Unternehmen und Einzelpersonen einfach überfordert. Wir wollten sie mit Fakten überzeugen – und mussten erst lernen, dass wir eher einen emotionalen Ansatz wählen müssen. Deshalb organisieren wir nun zum Beispiel viele Events wie „Meet your scientist“, „Cocktails for the Planet“ oder die „Green Movie Night“.

Erfolg für mich und mein Unternehmen bedeutet, positive Auswirkungen auf die Umwelt zu haben. 

Der Klimawandel ist nicht ein großes Problem, sondern eine Sammlung verschiedener Probleme. Deswegen wollten wir, dass Unternehmen, Regierungen, Vereine und Einzelpersonen zusammenarbeiten und hierfür Kollaborationen schaffen. Aber alle diese Welten haben verschiedene Sprachen, verschiedene Key-Performance-Indikatoren. Wir verbringen jetzt sehr viel Zeit damit, viel Content vorzubereiten, um allen Akteuren einen ansprechenden Ansatz zu bieten, wie sie ihren CO2-Fußabdruck verringern können. Wir haben dafür eine Software entwickelt, mit der Unternehmen ihre Emissionen berechnen und mit der sie lernen können, wie sie reduziert werden.

Diese Anfangshürden zu überwinden und alternative Herangehensweisen zu finden, hat uns als Team gestärkt. Ich suche mir verschiedene Leute, Expertinnen und Experten in verschiedenen Gebieten, die mit mir dieses Unternehmen aufbauen wollen. Die unterschiedlichen Sichtweisen, Meinungen und Expertisen tragen zum Erfolg bei. Wir haben alle dasselbe Ziel und arbeiten mit Leidenschaft daran. Wir machen einfach.

Meine Mission gab und gibt mir bis heute viel Energie und Kraft. Ich habe nicht über die Herausforderungen nachgedacht, sondern über die Möglichkeiten. Man muss an sich glauben – und an den Einfluss, den man hat.

 

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