Peter Heiligensetzer

Mit der Kraft von Mensch und Maschine

beschäftigt sich Dr. Peter Heiligensetzer, CTO und Co-Founder des Exoskelett-Start-up German Bionic

Mit der Kraft von Mensch und Maschine

Das Start-up German Bionic stellt Exoskelette her – und erobert mit ihnen einen Zukunftsmarkt. Gründer Dr. Peter Heiligensetzer möchte Roboter und Menschen zusammenbringen und letzteren die Arbeit erleichtern.

Wenn Dr. Peter Heiligensetzer über das Exoskelett spricht, das er mit seiner Firma German Bionic entwickelt hat, muss er oft erst einmal eines klarstellen: Mit Science Fiction à la Star Wars oder Ironman hat das wenig zu tun. Wenn von Exoskeletten die Rede ist, also von am Körper getragenen Stützstrukturen beziehungsweise Assistenzsystemen, denken tatsächlich viele zuerst an Superhelden. Die schlüpfen in ihren Roboteranzug, bekommen dann übermenschliche Kräfte und besiegen so das Böse.

Bei German Bionic geht es um etwas anderes – zum Beispiel darum, dass sich ein Lagerarbeiter beim ständigen Aufheben und Absetzen von Kartons nicht den Rücken ruiniert. Heiligensetzer, ein schwäbischer Maschinenbauingenieur, ist seit langem fasziniert davon, wie Menschen und Roboter zusammenarbeiten können. Sein Start-up, das er zusammen mit seinem Cousin Armin G. Schmidt gegründet hat, könnte in einem Zukunftsmarkt ein ganz großes Ding werden – für Heiligensetzer allerdings kein Grund, abzuheben: „Wenn es funktionieren soll“, sagt er, „muss es realistisch sein und sich aufs Wesentliche konzentrieren.“

Wie ein Backpacking-Rucksack – nur eben High-Tech

Exosccelette von German Bionic

German Bionic

Genau das tut das Exoskelett von German Bionic: Der Cray X, wie das Modell der jüngsten Exoskelett-Generation der Firma heißt, sieht aus wie ein High-Tech-Backpacking-Rucksack. Die orange Rückenplatte können sich die Arbeiterinnen und Arbeiter auf den Rücken schnallen. Dazu gehören ein Brustgurt und zwei Schlaufen für die Beine. Entscheidend dabei: das geringe Gewicht. „Der Forschungsprototyp hat noch 40 Kilo gewogen“, erzählt Heiligensetzer. „Die jüngste Generation wiegt nur noch sieben.“ So können die Nutzerinnen und Nutzer es aufsetzen, ohne den Körper zu sehr zu belasten. Die Erleichterung bei der Arbeit aber ist enorm: Zwei Hochleistungs-Servomotoren treiben das Skelett im Inneren an. Sie ahmen die Bewegungen des menschlichen Körpers nach und verstärken sie. Das ermöglicht, so Heiligensetzer, einen Ausgleich von bis zu 30 Kilogramm Gewicht pro Hebebewegung. Die Akkuleistung reicht für acht Stunden aus, also eine komplette Arbeitsschicht.

Peter Heiligensetzer beschäftigt sich schon sein gesamtes Arbeitsleben damit, Roboter und Mensch zusammenzubringen. Lange arbeitete er in Sachen Robotik für den Automatisierungskonzern Kuka aus Augsburg. Seine Aufgabe machte ihm Spaß, aber oft fühlte er sich als Angestellter in vorgegebene Schemata gepresst. „Ich hatte immer den Wunsch, lieber ein höheres Risiko einzugehen, aber dafür die Sachen umsetzen zu können, die mich auch wirklich interessieren“, sagt er. Das Selbstvertrauen dafür schöpfte er aus den aus seiner Sicht wichtigsten Eigenschaften: Leidenschaft und Know-how. „Wenn man das, was man macht, mit großem Eifer verfolgt, wird es meistens auch gut. Aber wichtig ist dafür natürlich eine gute technische Ausbildung.“

Maßstäbe in zwei Schlüsseltechnologien gesetzt

Was ihm fehlte, war die Erfahrung als Selbstständiger. Auf der Geburtstagsfeier seines Onkels sprach er lange mit seinem Cousin: Armin Schmidt. Der hatte schon einige Start-ups an den Markt gebracht. Das Gespräch wurde länger und länger – und für Heiligensetzer von Satz zu Satz interessanter. Am Ende war die Idee für German Bionic geboren. Der Tüftler und der Unternehmer ergeben für Heiligensetzer eine perfekte Verbindung – basierend auf totalem Vertrauen: „Diese Symbiose bei der Gründung passt ja auch gut zu unserem Produkt, das Mensch und Maschine zusammenbringt.“

Peter Heiligensetzter und Schmidt

German Bionic

Einen Nerv der Zeit haben sie mit ihrem Exoskelett offenbar getroffen: Heute ist das Cray X an Flughäfen, in der Industrie und sogar in Handwerksbetrieben im Einsatz, auch viele Investoren konnte German Bionic gewinnen. Das liegt auch daran, dass die Firma parallel zur Robotik in einer weiteren Schlüsseltechnologie Maßstäbe setzt: Vernetzung und maschinelles Lernen. Denn der Cray X verfügt über Sensoren, die ständig Produktivität, Gesundheit und Sicherheit der Nutzerinnen und Nutzer analysieren, selbstverständlich anonymisiert. Über spezielle Algorithmen werden die Daten ausgewertet, mit denen das System sich ständig weiter optimiert.

Bei aller Optimierung: Eine Art „Übermensch“ will Heiligensetzer damit nicht schaffen – und auch niemandem den Job wegnehmen. „Es ist nicht absehbar, dass der Mensch ersetzt werden kann“, ist er sich sicher. „So flexibel und schnell reagieren wie ein Mensch, das kann ein Roboter nicht. Aber ein System zu haben, das den Menschen in körperlich anstrengenden Tätigkeiten unterstützt, ist sehr sinnvoll.“

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