Laguna de la Vera

„Ich habe eigentlich immer dann am meisten gelernt, wenn ich gescheitert bin."

Rafael Laguna de la Vera, Gründungsdirektor der Bundesagentur für Sprunginnovationen SPRIND in der ersten Ausgabe von Neugier: die digitalen Q&As

„Ich habe eigentlich immer dann am meisten gelernt, wenn ich gescheitert bin."

Werte, Europa, Bildung und das Scheitern – das waren die Themen der ersten digitalen Q&A-Session mit dem Unternehmer und Gründungsdirektor der Bundesagentur für Sprunginnovationen SPRIND, Rafael Laguna de la Vera.

Am 15. September fand die erste Ausgabe der Serie Neugier: die digitalen Q&As statt, umgesetzt vom Bundesministerium für Bildung und Forschung in Kooperation mit dem Partner Heise Medien. Zu Gast: Rafael Laguna de la Vera, Gründungsdirektor der Bundesagentur für Sprunginnovationen SPRIND. Im vom c't-Chefredakteur Dr. Jürgen Rink moderierten Live-Chat konnten sich Zuschauerinnen und Zuschauer fast eine Stunde lang mit dem Unternehmer über seine Erfahrungen als Gründer, der innovationspolitischen Rolle Deutschlands in der Welt sowie zur Arbeit einer Agentur für Sprunginnovationen austauschen.

Wir können die Probleme von Technologien nur mit besserer Technologie lösen. 

Rafael Laguna de la VeraGründungsdirektor der Bundesagentur für Sprunginnovationen SPRIND

Rafael Laguna de la Vera gab nicht nur einen spannenden Überblick zur Historie verschiedener „disruptiver“ Innovationen, sondern beantwortete auch Fragen rund um aktuelle Herausforderungen, die durch eben diese gemeistert werden können: „Es geht nur mit Fortschritt“, konstatierte er. „Wir können die Probleme von Technologien nur mit besserer Technologie lösen.“ Im Mittelpunkt standen daher auch die Fragen, was die Bundesagentur SPRIND in diesem Bereich leisten kann, wie sie Sprunginnovationen identifiziert und mit welchen Maßnahmen sie Gründerinnen und Gründer in Deutschland fördert. Über 2.500 Teilnehmerinnen und Teilnehmer waren während des Live-Chats zugeschaltet und beteiligten sich mit vielen interessanten Fragen rund um die Auswirkungen der Corona-Pandemie, Innovationen im Bildungsbetrieb und zur Bedeutung von persönlichem Scheitern. 

Aufzeichnung zur ersten Ausgabe von Neugier: die digitalen Q&As

Offene Fragen aus der Q&A-Session und Rafael Laguna de la Vera's Antworten

Wird es nicht immer schwieriger, solche Sprunginnovationen zu „erfinden“? Das iPhone ist ja mittlerweile schon lange her ...

Wir sind super zuversichtlich, dass das Beste noch vor uns liegt. Wir haben bis heute rund 300 Projektvorschläge bekommen. Davon haben zwar auch über 200 Vorschläge nicht die „Innovationshöhe“, die wir suchen oder sind nicht sauber zu Ende gedacht. Bis heute haben wir bereits neun Projekte „anfinanziert“. Weitere werden folgen.

Was sind für Sie die momentan wichtigsten Trends in der Mikroelektronik, die für Sie ein disruptives Potential aufweisen und warum?

Es ist sicher so, dass auf Gebieten, auf denen andere Nationen erheblichen Vorsprung haben, es sehr schwierig ist, „Boden gut zu machen“. Deshalb sollten wir uns auf neue Rechnerarchitekturen konzentrieren. Wir bei SPRIND sehen aktuell enormes Potenzial darin, analoges Rechnen weiterzuentwickeln und auf programmierbare Chips zu bringen.

Haben wir denn genug Budget, um große Innovationen zu finanzieren?

In den kommenden Jahren sind mehr als 100 Millionen Euro für SPRIND im Haushalt vorgesehen. Das ist eine ganze Menge. Im ersten Schritt geht es darum, wie Sie richtig sagen, die klugen Köpfe zusammenzubringen und erstmal arbeiten zu lassen. Wenn in der Folge große Summen für die Skalierung von neuen Technologien gebraucht werden, z. B. für den Bau von Fabriken, dann wird das mit privatem Kapital erfolgen.

Ich lebe in der Schweiz, wäre eine Zusammenarbeit trotzdem möglich?

Ja, das ist möglich. Da wir jedoch deutsches Steuergeld ausgeben, würden wir eine deutsche GmbH gründen, die zu hundert Prozent Eigentum der Bundesrepublik Deutschland ist.

Gab oder gibt es eine Gründungspersönlichkeit, die Sie beeindruckt oder inspiriert hat?

Der Leitsatz, der mich antreibt, stammt vom Informatiker Alan Kay: „Die beste Möglichkeit, die Zukunft vorherzusagen, ist, sie zu erfinden.“

Wer arbeitet bei SPRIND bzw. soll dort arbeiten? Auch Ethiker, Philosophen, Sozialwissenschaftler und Historiker, wie das in vergleichbaren Institutionen im Ausland der Fall ist?

Die derzeit etwa 15 Angestellten und rund 15 freiberuflichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben vorwiegend einen naturwissenschaftlich-technischen oder kaufmännischen-juristischen Hintergrund. Es gibt aber auch Mitarbeiter mit einer geisteswissenschaftlichen Ausbildung.

Welche Unternehmensform ist für eine Gründung vorgesehen?

Im ersten Schritt entwickeln wir die Projektvorschläge, die wir als aussichtsreich einstufen, soweit, dass wir sie dem SPRIND-Aufsichtsrat zur weiteren Entscheidung vorlegen können. Der Aufsichtsrat entscheidet darüber, ob eine GmbH gegründet wird. Diese GmbH erhält dann ein Darlehen des Bundes, welches im Erfolgsfall zurückbezahlt werden muss.

Wie viele Sprunginnovationen kommen bei euch an?

Wir haben bis heute rund 300 Projektvorschläge bekommen. Davon haben zwar auch über 200 Vorschläge nicht die „Innovationshöhe“, die wir suchen oder sind nicht sauber zu Ende gedacht. Bis heute haben wir bereits neun Projekte „anfinanziert“. Weitere werden folgen.

Welche Rolle spielen KI-Technologien bei der Findung und Erstellung von Sprunginnovationen – heute und in Zukunft?

Im Moment arbeiten wir mit einem sehr „menschenzentrierten“ Ansatz. Wir suchen besondere Menschen, die zu den Besten in ihrer Disziplin gehören und die für ihr Thema brennen. Diese nennen wir „High Potentials“. Auch die Evaluierung ihrer Ideen erfolgt nicht durch Algorithmen, sondern durch Expertinnen und Experten, die sich mit dem entsprechenden Fachgebiet idealerweise schon mehrere Jahrzehnte befasst haben.

Arbeitet ihr mit Freigeist und anderen Investoren zusammen? Oder ist das geplant?

Wir haben einen informellen Austausch mit Frank Thelen und Freigeist, arbeiten im Moment jedoch bei keinem Projekt zusammen. Wir sehen SPRIND näher an der Schnittstelle von Grundlagenforschung zu Produktentwicklung. Venture-Capital-Firmen steigen in der Regel erst etwas später ein, wenn erkennbar ist, dass ein Produkt funktioniert und es dafür auch einen Markt gibt.

 

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