Amel Karboul

Stößt du auf Widerstand, machst du etwas richtig

von Dr. Amel Karboul, CEO des Education Outcomes Fund (EOF)

Stößt du auf Widerstand, machst du etwas richtig

Mit Veränderung kennt Amel Karboul sich aus: Sie studierte Maschinenbau in Deutschland unter lauter Männern, arbeitete für Mercedes, war Ministerin der tunesischen Regierung und hilft nun den Vereinten Nationen, die globalen Bildungschancen zu verbessern. Sie ist sich sicher: Voran kommt man nur, wenn man sich selbst und sein Tun immer wieder infrage stellt – wie sie hier erzählt.

Disruption im Sinne von Transformation zieht sich durch mein gesamtes Leben. Das fing schon damit an, dass ich als Muslimin aus Tunesien nach Deutschland kam. Genauer gesagt ins sehr christliche Karlsruhe, um dort Maschinenbau zu studieren. In dem Studiengang gab es 500 Männer – und mit mir drei Frauen. Als ich dann auch noch mit Anfang 30 Mutter wurde und trotzdem Vollzeit in Führungspositionen arbeitete, war ich natürlich überall, wo ich hinkam, die absolute Ausnahme.

Ich möchte das in der Rückschau nicht verklären, ich habe sehr viel Diskriminierung erlebt und habe das zunächst als schwere Last empfunden. Als ich als junge, selbständige Beraterin in Vorstandsmeetings von anderen Unternehmen gegangen bin und einen Mitarbeiter dabei hatte, haben die zuerst immer gedacht: Das ist mein Boss – obwohl es andersherum war! Es hat mich auch überrascht, wie konservativ so ein reiches, entwickeltes Land wie Deutschland sein kann. Trotzdem denke ich heute manchmal: Es war ein Geschenk, ständig auf so viele Widerstände zu stoßen. Dann hat man gar nicht den Luxus, sich selbst nicht infrage zu stellen. Und dass man immer wieder sich selbst reflektiert, aber auch das Umfeld, in dem man sich bewegt: Das ist nötig, um voranzukommen. Viele dieser Erfahrungen habe ich in meinem Buch Coffin Corner geschildert.

Das Manifestieren von etwas Neuem hat mich magisch angezogen.

Heute, mit meiner langjährigen Erfahrung als Unternehmerin, als Managerin in Unternehmen oder auch als Ministerin, weiß ich: Wenn du auf Widerstand stößt, dann heißt es, du machst etwas richtig. Denn Widerstand gibt es nur, wenn sich wirklich etwas verändert. Ich hatte aber auch das Glück, dass ich aus einem Umfeld stamme, das mich immer sehr unterstützt hat. Das hat mir das nötige Selbstvertrauen gegeben.

Ich habe mich in meiner Karriere immer ganz bewusst für die Schritte entschieden, die nicht so klar definiert waren. Das Manifestieren von etwas Neuem hat mich irgendwie magisch angezogen. Und ich habe stets versucht, nicht zu sehr Teil eines Systems zu werden, sondern immer wieder in der Lage zu sein, von außen darauf zu schauen, was ich gerade eigentlich tue und warum.

Man muss seine eigene Transformation aufrechterhalten können, um sie nach außen zu leben.

Dabei hilft es schon sehr, wenn man die Äußerlichkeiten verändert. Ein anderes Land, eine andere Sprache, eine andere Kultur, ein anderes Feld: Wenn man sich in diese Situationen begibt, kommt die Selbstreflexion fast automatisch. Bei mir war die Veränderung sicherlich eine Konstante, ich habe als Beraterin bei Mercedes in Deutschland angefangen, war Ministerin in Tunesien und arbeite jetzt als CEO eines innovativen Bildungsfonds bei den Vereinten Nationen.

Das soll aber nicht heißen, dass es einfach ist, sich selbst immer wieder infrage zu stellen. Ich habe bewusst daran gearbeitet – auch mit Coaching und Therapie. Denn nur, wenn man seine eigene innere Transformation aufrechterhalten kann, kann man sie auch nach außen leben.

Vertrauen, Beziehungen aufzubauen, ist wichtig.

Bei den Menschen, mit denen man zusammenarbeitet, muss man da natürlich vorsichtig sein. Denn keiner mag es, wenn jemand von außen kommt und sagt: „So, ab jetzt machen wir alles anders“. Deshalb ist es wichtig, vertrauensvolle Beziehungen aufzubauen. Ich denke, das gelingt mir ganz gut.

Aufzeichnung des Innovationsduells Umbruch vs. Weiterentwicklung mit Prof. Dr. Uta Wilkens und Dr. Amel Karboul 

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