Katharina Krentz

„Vertrauen ist die Basis von allem“

Vernetzung wird in der Arbeitswelt immer wichtiger, weiß New-Work-Beraterin Katharina Krentz

„Vertrauen ist die Basis von allem“

Corona schickte viele von uns ins Home Office, ohne digitale Tools ging plötzlich nichts mehr. Für Katharina Krentz war schon lange vorher klar: Vernetzung ist entscheidend für die Zukunft der Arbeit. Warum aber auch im digitalen Zeitalter gerade menschliche Tugenden wichtig bleiben, erläuterte die New-Work-Pionierin anschaulich im Rahmen der mittlerweile elften Ausgabe von „Neugier: die digitalen Q&As“.

Working Out Loud! Das hört sich an wie der Werbespruch eines Fitnesscenters. Es verwundert also kaum, dass Katharina Krentz oft danach gefragt wird, was sich hinter den drei Wörtern eigentlich verbirgt. Schließlich war sie es, welche diese Arbeitsmethode bei der Robert Bosch GmbH eingeführt hat – Premiere für einen deutschen Großkonzern. Die eigene Arbeit sichtbar machen, das eigene Wissen und die eigenen Erfahrungen teilen: Das seien die Grundprinzipien der Methode, die zwei Amerikaner entwickelt haben.

Auf den ersten Blick erscheinen dies Selbstverständlichkeiten zu sein. Für viele Unternehmen und Institutionen bedeute es aber eine regelrechte Revolution, sich danach auszurichten, weiß Krentz. Die heutige Arbeitswelt sei oft noch immer von Methoden aus dem Zeitalter der Industrialisierung geprägt. „Da hieß es: ‚Der Chef weiß am besten, was zu tun ist – und der Chef hat immer Recht.‘ Mit dieser Denke geht aber unheimlich viel Potenzial verloren.“

Win-win-Situation für Mitarbeitende und Unternehmen

Für Krentz ist es eine „Herzensangelegenheit“, das zu ändern. Es geht ihr darum, die „heutige Arbeitswelt nachhaltig und wertschöpfend zu verbessern, und zwar mit dem Menschen und einem positiven Menschenbild im Mittelpunkt“. Dafür sei Working Out Loud besonders gut geeignet – weil es zum Erreichen von Zielen auf Netzwerke setzt, in denen sich Menschen gegenseitig unterstützen und kreativ befeuern.

Diese Herangehensweise treibt Krentz seit mehr als zehn Jahren voran, bei der Robert Bosch GmbH genauso wie als selbstständige Beraterin. Allein, dass diese Kombination möglich ist, ist für sie schon ein Zeichen dafür, dass es eine andere Beziehung zwischen Arbeitgeber und Angestellten geben kann als die bisher übliche. Früher sei auch in ihrem Unternehmen alles sehr straff organisiert gewesen. Nun gibt es mehr als 100 Arbeitszeitmodelle. „Damit gibt man den Mitarbeitenden Gestaltungsfreiheit, die Arbeit so zu organisieren, dass sie der eigenen Situation angepasst ist.“ Das sei unheimlich wichtig für die Motivation und ergebe eine Win-win-Situation: „Wenn die Menschen gern ihre Arbeit tun, geht es ihnen besser. Dadurch werden sie produktiver und kreativer – und das Unternehmen profitiert davon.“

Die Digitalisierung mit all ihren Möglichkeiten der Vernetzung kann ein Treiber dieser Entwicklung sein. Dennoch tun sich viele damit schwer, was Katharina Krentz nachvollziehen kann: „Ich bin kein Digital Native, aber genau dadurch kann ich eine Brücke zwischen Online- und Offline-Welt bauen und andere hinüberbegleiten.“ Ein „Schema F“ gebe es dafür aber nicht: „Das muss individuell passen.“

Katharina Krentz

Kai R. Joachim

Corona-Krise als Glücksfall

Für Krentz ist die Corona-Krise in gewisser Weise ein Glücksfall gewesen. Denn erst in der Pandemie haben viele Arbeitgeber so richtig gemerkt, was für eine große Rolle diese Netzwerke spielen können – und wie entscheidend digitale Tools dafür sind, dass sie funktionieren. Aber, davon ist Krentz überzeugt, es ist eben nicht damit getan, „die analoge Welt in die virtuelle Welt eins zu eins übertragen“. So würden manche Mitarbeitenden regelrecht darunter leiden, dass im Home Office der Austausch in der Kaffeepause oder auch die Fahrt zum Arbeitsort fehlt. Da gelte es, auch virtuell Orte zu schaffen, in denen ungezwungene Treffen ohne bestimmte Agenda möglich sind. Da würden oft die besten Ideen entstehen. Wenn in einem Unternehmen auf solche Dinge geachtet werde, sei schon viel gewonnen, sagt Krentz. Eine solche Atmosphäre zu schaffen, sei aber kein Hexenwerk. Wichtig seien Empathie, Beobachtungsgabe und gesunder Menschenverstand. Wenn die Menschen das Gefühl hätten, es wird ihnen aktiv zugehört und ihre Nöte werden ernst genommen, dann falle es ihnen einfacher, Vertrauen aufzubauen. Und Vertrauen, betont Krentz, ist die Basis von allem – gerade in der zunehmenden virtuellen Zusammenarbeit. „Je digitaler die Welt wird, desto menschlicher sollten wir werden.“

Aus diesem gegenseitigen Vertrauen heraus entstünden dann die so wichtigen Netzwerke. In denen könnten die Mitarbeitenden ihre Arbeit und sich selbst mit den eigenen Fähigkeiten und Talenten sichtbarer machen – und die sichtbar werdenden Fähigkeiten der anderen für sich nutzen. In einer zunehmend komplexeren Welt werde das immer wichtiger: „So viel Wissen können Einzelne gar nicht haben, um diese Welt allein zu durchdringen.“

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