Carbon-Beton-Forscher Prof. Manfred Curbach stehend mit verschränkten Armen.

Weitsicht

Faszination für Bau- und Ingenieurwesen gab es schon bei seinen Vorfahren. Nun ermöglicht Manfred Curbach kommenden Generationen nachhaltiges Bauen.

Weitsicht

Zeit verging, bis die feinen Waben aus Carbonfasern so effizient herzustellen waren, dass sie Basis für eine neue Art der Betonproduktion werden konnten. Von der eigenen Überzeugung getragen, verfolgte Manfred Curbach konsequent seinen Plan einer tragfähigen Lösung für klimaschonendes Bauen. Heute steht er vor dem Durchbruch.

Es ist eine eindrucksvoll geformte Welle, die als Dach fungiert und das optische Zentrum des „Cube“ markiert. Mit jenem „Cube“, dem weltweit ersten komplett aus Carbonbeton errichteten Gebäude, das dieser Tage in Dresden entsteht, wird Manfred Curbach einen weiteren wichtigen Schritt auf seinem Weg vorankommen. Einem Weg, auf dem er Infrastruktur- und Wohnraumerfordernisse der Gegenwart in eine ressourcenschonende Zukunft führt. Verweilt man noch einen Augenblick im Hier und Jetzt bei der Gebäudeansicht und lässt den Blick schweifen über das elegant geschwungene Dach, das sich beinahe majestätisch an den rechteckigen Gebäudeteil anzuschmiegen scheint, so ist diese Welle zugleich auch Symbol. Ein Symbol für den Weg, den der Ingenieur Curbach und sein Team am Institut für Massivbau der Technischen Universität Dresden in den vergangenen Jahrzehnten zurückgelegt haben.

Prof. Manfred Curbach

Von der Begeisterung über erfolgreiche Zwischenschritte, dem Wechsel von Textilien über Glas hin zu Carbonfasern als Tragstruktur von Beton und den ersten Erfolgen war dieser Weg genauso geprägt, wie von den Tälern der Enttäuschung. Enttäuschung über misslungene Experimente oder Kommentare aus der Fachwelt – einer Fachwelt, in der Textil- oder Carbonbeton zunächst häufig belächelt wurde. Für Manfred Curbach war und ist es jedoch ein unumgänglicher Weg.

Der gewaltige Bedarf an Sand bei Produktion und Einsatz klassischen Stahlbetons – ein nicht mehr hinnehmbarer Raubbau an Natur und Umwelt. Die bei herkömmlicher Zementproduktion unausweichliche Kohlenstoffdioxidbelastung – unvereinbar mit dem Erreichen der national und international vereinbarten Klimaziele.

Nie jedoch würde er die Leistungsfähigkeit und die Erfolge des klassischen Stahlbetons in Zweifel ziehen. Seine Rationalität als Ingenieur verbietet ihm Dogmatismus oder leichtfertiges Schwarz-Weiß-Denken in solchen Fragen. Und: Es waren nicht zuletzt die aus Stahlbeton erschaffenen Bauwerke seiner Familie, einer Familie von Ingenieuren und Baumeistern, die in ihm die Faszination für Spannweiten gigantischer Brückenbauwerke überhaupt erst hervorriefen. So wollte er auch bauen. So und doch anders.

Manfred Curbach wird so lange unterwegs sein, bis es für uns alle selbstverständlich geworden ist, dass Bauwerke Bedeutung gewinnen, wenn sie an Gewicht verlieren.

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