Jörg Trinkwalter

Wir bringen Menschen zusammen – und zwar „zackzack"

von Jörg Trinkwalter, Geschäftsleitung „Medical Valley EMN“

Wir bringen Menschen zusammen – und zwar „zackzack"

„Wir sind das Business-Tinder“, sagt Jörg Trinkwalter lächelnd. Denn im „Medical Valley Europäische Metropol­region Nürnberg“ funkt es – und zwar zwischen klugen Köpfen. Dort, im Innovationscluster für Medizintechnik, entstehen gleichermaßen leidenschaftliche wie tragfähige Beziehungen. Wie das funktioniert, erklärt der 40-jährige Trinkwalter hier. 

Wir haben ein einzigartiges Netzwerk aus Start-ups, international agierenden Unternehmen und verschiedenen Einrichtungen geknüpft. Wir unterstützen und begleiten innovative Projekte rund um die Gesundheitsversorgung – von der Idee bis zur Markteinführung. Wie unsere „Matches“ aussehen? Da ist die Medizinerin mit einer revolutionären Idee: Eine Ingenieurin hat sie bereits im Team. Was sie nicht hat, sind betriebswirtschaftliche Kenntnisse. Und womöglich auch keinen Plan von Fördermittelakquise. Unser Netzwerk bringt sie mit anderen zusammen, die wissen, wie Businesspläne auszusehen haben, wie Fördermittel zu akquirieren sind oder auch, wie sie Zugang findet zu weiteren strategischen Partnern. Das Match läuft Tinder-like, nämlich locker, unkompliziert und vor allem „zackzack“ – also sehr zügig.

Wir leben transdisziplinäres Denken und Arbeiten: Start-ups, KMU, Konzerne, die Wissenschaft und Gesundheitsversorger – wir bringen alle an einen Tisch

Vier Personen, die an einem Tisch sitzen

Medical Valley EMN e.V.

Bei uns im Innovationscluster sind hochspezialisierte Forschungseinrichtungen ebenso aktiv wie international führende und heranwachsende Unternehmen. Alle eint der Gedanke, gemeinsam Lösungen zu entwickeln für die Herausforderungen der Gesundheitsversorgung von heute und morgen. Das Zauberwort, nein, die Zauberworte dafür: Kooperation, Austausch, Teilen von Wissen, gegenseitige Inspiration. Das beginnt klein, in einer Nussschale, und wird immer größer. Diese Zahlen machen die Dimensionen unseres Innovationsclusters deutlich: Mehr als 500 MedTech-Unternehmen, mehr als 65 Krankenhäuser, mehr als 80 Universitäten und Fachhochschulen sowie mehr als 20 außeruniversitäre Forschungseinrichtungen sind involviert. Im Alltag profitieren davon jährlich mehr als 850.000 stationär versorgte Patientinnen und Patienten. Zu unseren Premium-Partnern zählen zum Beispiel „Siemens Healthineers “ –einer der Top-Hersteller von bildgebender Medizintechnik, Labordiagnostik und IT-Lösungen im Gesundheitswesen – oder auch die Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, das Universitätsklinikum Erlangen und das Fraunhofer-Institut für Integrierte Schaltungen IIS in Erlangen.

Der Gesundheitssektor wird auch zukünftig der größte Wirtschaftsfaktor unserer Volkswirtschaft sein.

Dass ich eines Tages in der Gesundheitswirtschaft tätig sein würde, hätte ich mir nicht träumen lassen. Ich war großer Fußballfan in meiner Jugend, überlegte damals, mich nach dem Abitur in Richtung Sportmanagement zu orientieren. Ebenso gut fand ich aber auch die Idee, Stadtplaner zu werden, deshalb habe in diese Richtung studiert. Eine gute Entscheidung, denn zwei zentrale Stichworte tauchten schon in der Bachelor-Arbeit auf – Innovationssysteme und Wissensmilieus. Die Idee von „Clustern“ zur Wirtschaftsförderung, den Brutkästen und Spielwiesen von neugierigen, unkonventionellen, hungrigen Leuten, leuchtete mir intuitiv ein. Best-Practice-Beispiele wie die dänisch-schwedische Öresund-Region etwa, hatten etwas Inspirierendes.

Nach dem Diplom-Studium in Hamburg kam ich zurück in meine Heimat Erlangen – der praktische Teil meiner Diplomarbeit entstand bei der Vorläuferorganisation des „Medical Valleys“. Dort bin ich eher zufällig gelandet, war aber gleich superglücklich in diesem offenen, wagemutigen Umfeld. Ich bin weder Techniker noch Mediziner. Allerdings habe ich ein gutes Grundverständnis für Medizinthemen, weil meine Eltern im medizinischen Bereich gearbeitet haben. Was mein Talent ist? Pragmatisch dort anpacken, wo es nötig ist, Menschen zusammenzubringen – damit aus ihren Ideen Medizinprodukte werden. Ich habe zwar auch schon zwei Medizintechnik-Start-ups gegründet, aber mein Netzwerk-Gen ist deutlich stärker ausgeprägt als mein Gründer-Gen. 

Das Wissen ist um uns herum und wir müssen es allen zugänglich machen

Jörg Trinkwalter und Erich Reinhardt

Medical Valley EMN e.V.

Heute sind wir stolz auf unsere Erfolgsgeschichte im „Medical Valley“. Allerdings lief nicht immer alles reibungslos, es gab auch tiefe Täler der Tränen. Im Jahr 2008 schaffte es die Region nicht in den Kreis der Nationalen Spitzencluster. Ich war damals „Frischling“, ein junger Projektleiter, und hatte die Ehre und Chance, den zweiten Anlauf mitzukoordinieren. Jetzt erst recht, dachten wir. Dass wir drangeblieben sind, hat sich gelohnt: Wir wurden 2010 zum Nationalen Spitzencluster für Medizintechnik ernannt. Es gab 40 Millionen Euro Unterstützung vom BMBF, zudem konnten wir weitere 40 Millionen aus der regionalen Wirtschaft generieren. Maßgeblich für unseren Erfolg war damals, dass wir mit Professor Erich Reinhardt, dem ehemaligen Vorstandsmitglied der Siemens AG und CEO von Siemens HealthCare, eine Galionsfigur und einen strategischen Leader gewonnen haben. Für mich persönlich ist es ein Privileg, mit einer solchen Persönlichkeit seit damals zusammenzuarbeiten. Professor Reinhardt hatte die Vision, die er strukturiert und zielgerichtet umgesetzt hat. Ich habe in mannigfacher Weise von ihm gelernt. Transdisziplinarität ist für ihn nicht nur ein Wort – er lebt es Tag für Tag!

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