Zwei Frauen mit Eislöffeln im Mund

Wir haben es in der Hand

von Amelie Vermeer und Julia Piechotta, Gründerinnen des Start-ups Spoontainable

Wir haben es in der Hand

Den erfrischenden Eisdielen-Besuch haben sie um frische Ideen zur Plastikvermeidung bereichert: Als Studentinnen ohne Erfahrung in der Lebensmittelbranche begann das Team um Amelie Vermeer und Julia Piechotta in der eigenen WG-Küche essbare Eislöffel zu entwickeln. Die Stückzahlen sind gewachsen, der Vertrieb wurde professionalisiert, doch die Überzeugung der „Spoontainable“-Gründerinnen ist geblieben: die Notwendigkeit der Abkehr von Einmalplastik.

Nur ein kleiner Löffel? Ja, aber trotzdem ein Stück Abfall, das vermeidbar ist, wenn man es mit dem Kampf gegen Umweltverschmutzung ernst meint, wenn man sich selber fragt, welcher Beitrag möglich wäre. Die ersten Gedanken daran, die Erfrischung an der Eisdiele nahe unserer Hohenheimer Uni nachhaltiger zu gestalten, waren noch Gedankenspiele. Diese Gedankenspiele wurden jedoch konkreter, je mehr wir über die Möglichkeit, stabiles, billiges, aber eben auch extrem schädliches Einmalplastik zu ersetzen, lasen. Je intensiver wir nachforschten, je mehr mehr wir fragten und schließlich selber forschten, deso mehr reifte in uns die Überzeugung, handeln zu müssen. Handeln zu können.  

Mit irgendwas wollten wir anfangen – warum nicht mit Eislöffeln?

Eis mit essbaren Löffel

Spoontainable

Brombeere, Himbeere, gerne auch andere Fruchteissorten – so sah (und sieht) unsere Lieblingsmischung aus, wenn wir an heißen Sommertagen, Tagen, die hier im Südwesten nicht selten noch heißer werden als überall sonst im Land, beim Eisessen bezahlten. Der Berg an aufgetürmten Kugeln verschwand dann irgendwann, schmolz in Waffel oder Becher langsam dahin. Doch etwas blieb. Der Löffel, egal, ob durchsichtig oder farbig, oval oder eckig: für Generationen eine unerwünschte Erinnerung an den kühlen Genuss.

Unterschiedliche Materialien haben wir in der Anfangszeit ausprobiert, Rezepturen verändert. Natürlich gab es Enttäuschungen und Rückschläge, während wir uns, meist gegen Ende ohnehin schon stressiger Uniwochen, in der Küche unserer WG auf die Suche machten. Auf die Suche nach dem perfekten Rezept für rückstandslos essbare Löffel.

Wir probierten, protokollierten und variierten, Blech für Blech verließen Eislöffel den glühenden Backofen. Doch selbst, als wir uns auf die Faser der Kakaopflanze als besonders halt- und zugleich genießbare Basis festgelegt hatten, ging das Probieren weiter: Unser nachhaltiger Eislöffel, den es heute in verschiedenen Varianten gibt, sollte schließlich nicht nur zu hundert Prozent nachhaltig sein und gut aussehen, ein nachhaltiges Geschmackserlebnis ohne allzu bittere Note sollte er auch noch bieten.

Verlassen konnten wir uns gerade in dieser frühen Phase auf den Zuspruch von Freunden und familiärem Umfeld – ein Umfeld, das uns Halt gab und in dem Entschluss, der Plastikverschmutzung den Kampf anzusagen, von Anfang an bestärkte, selbst dann, wenn uns Unverständnis oder Desinteresse entgegenschlug.

Konstruktive, fachliche Kritik haben wir angenommen und daraus gelernt.

Von konstruktiver, fachlicher Kritik hingegen lernten wir. Wir lernten vor allem, Denkweisen anderer Disziplinen in unsere Lösungswege einzubeziehen. Das, was ganz am Anfang noch eher eine umweltpolitische Aktion war, reifte mit der Zeit mehr und mehr zu einer Geschäftsidee. Je runder das Rezept der runden kleinen Löffel im Backofen, je konstanter der Geschmack wurde, umso mehr wuchs in uns die Überzeugung, es als Gründerinnen mit nachhaltigkeitspolitischem Anspruch zu probieren.

Unser Management-Studium war hier genau das richtige Rüstzeug. Für die ersten Verhandlungen mit potentiellen Produzenten und die Organisation der externen Produktion im industriellen Maßstab genauso wie für die sensible Planung des organischen Wachstums. So sehr wir in Zukunft auf finanzielle Mittel zur weiteren Ausdifferenzierung unseres Angebots angewiesen sein werden, so sehr spüren wir auch, wie sich gerade etablierte, manchmal scheinbar übermächtige Großunternehmen auf die Flexibilität und die Dynamik eines Start-ups unserer Größe verlassen, wenn es um ökonomisch sinnvolle ökologische Innovationen geht.

Geschäftspartner bestärkten uns darin, die Produktpalette zu erweitern.

Amelie Vermeer und Julia Piechotta

Spoontainable

Mussten also anfangs so viele Löffel durchbrechen, bis schließlich der Durchbruch kam? Diese Frage stellen wir uns auch heute noch manchmal, während wir mit unserem Start-up wachsen, immer mehr Kontakte in die Branche knüpfen und über die Eisdielen der Rhein-Neckar-Region hinaus stetig sichtbarer werden.

Wenn wir heute in unseren Heidelberger Geschäftsräumen, wo wir inzwischen Vertrieb, Marketing und Entwicklung von Spoontainable steuern, Geschäftskunden empfangen, sind nicht nur unsere Lieblingseissorten und natürlich unsere „Spoonie“-Löffel zur Bewirtung von Gästen vorrätig. Mit uns im Raum schwebt die Überzeugung, dass es ohne Ausdauer und Durchhaltevermögen einfach nicht geht. Wer dieses Durchhaltevermögen mitrbringt, der hat es in der Hand, die Welt vielleicht nicht komplett zu verändern, aber doch zeigen zu können, dass manchmal auch ein kleiner Löffel in der Hand ein Zeichen ist, wenn große Aufgaben anstehen.

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