Verena Pausder

Wir haben kein Erkenntnis-, sondern ein Umsetzungsproblem

sagt Verena Pausder, Vorständin des Vereins „Digitale Bildung für Alle“

Wir haben kein Erkenntnis- sondern ein Umsetzungsproblem

Der Großteil aller jetzigen Grundschüler wird später Jobs haben, die wir heute noch nicht kennen. Höchste Zeit, sich auf das Unbekannte vorzubereiten. Verena Pausder, Bildungsexpertin, Autorin und Vorständin des Vereins „Digitale Bildung für Alle“, setzt sich für die Bildung der Zukunft ein. Denn bisher mache die Schule viel, was in der Vergangenheit richtig war – und wenig, was in Zukunft wichtig werde. Im Rahmen von „Perspektiven: das Online-Event“ beantwortete sie wichtige Fragen – und verriet dabei, warum sie im Juni 2020 den bundesweiten Hackathon #wirfürschule initiiert hat.

„Der Spirit muss sein: Weniger gegen und mehr für etwas zu sein. Wir wagen mehr und verurteilen weniger.“

Verena PausderVorständin des Vereins „Digitale Bildung für Alle“

Frau Pausder, Brauchen wir neuen Mut für neue Wege?

Der Spirit muss sein: Weniger gegen und mehr für etwas zu sein. Und ins Machen zu kommen, denn wir haben kein Erkenntnis- sondern ein Umsetzungsproblem. Wir haben für die digitale Bildung genug Geld und Ideen, aber uns fehlt der Meilensteinplan, den es braucht, um diese Mammutaufgabe in machbare Pakete aufzuteilen. Was wollen wir bis wann erreichen? Zum Beispiel: Ein Dienstgerät für jede Lehrkraft bis 2021, WLAN an allen Schulen bis 2022 – und parallel Soforthilfemaßnahmen für Schulungen von Lehrerinnen und Lehrern. Pragmatismus muss unser Leitprinzip sein.

Woran hakt es bei der Umsetzung der Ideen?

Wir müssen nicht alles neu erfinden. Es gibt ja bereits tolle Projekte wie sofatutor, bettermarks oder simpleclub oder Plattformen wie fobizz für die Lehrer*innen-Fortbildung. Die Politik muss Positivlisten erstellen, auf denen zum Beispiel solche Programme draufstehen. Dann wissen Lehrerinnen und Lehrer genau, was sie im Unterricht nutzen können und was gefördert oder als Fortbildung anerkannt wird.

Was zeichnet den Erfolg des von Ihnen initiierten Hackathons aus?

Es war toll, dass mehr als 6.000 Menschen gesagt haben: „Ich lasse jetzt alles stehen und liegen und bringe meine Gedanken ein.“ Die Haltung war: „Wir überlassen es jetzt nicht mehr nur den Lehrerinnen und Lehrern, den Schulleitungen oder der Politik, dieses Problem zu lösen. Wir bohren dieses dicke Brett jetzt alle gemeinsam.“ Daraus sind 216 Lösungen für die Schule von morgen entstanden, die sich nicht nur mit den aktuellen Herausforderungen des hybriden Schuljahres, sondern auch ganz grundsätzlich mit dem Bildungssystem Deutschlands befassen. Und der Hackathon war keine Eintagsfliege: Die Community lebt und arbeitet an den Projekten weiter!

Die Corona-Krise als Chance zur Reformierung des Bildungssystems – und dann?

Gemeinsam haben wir jetzt die Chance, Schule wirklich zu verändern. Unser Ziel ist, dass die ersten Projekte aus unserem Hackathon bereits zum kommenden Schuljahr umgesetzt sind und dass sich dieser Community-Ansatz für gesellschaftliche Problemlösung etabliert. Das Datum für den nächsten #wirfuerschule-Hackathon steht schon fest: 14. bis 18. Juni 2021. Jeder kann und soll sich einbringen. Denn 2020 hat gezeigt: Zusammen können wir echt was bewegen.