Nikolas Iwan

Wir müssen bei Wasserstoff Vollgas geben

von Nikolas Iwan, Geschäftsführer von H2 MOBILITY Deutschland

Wir müssen bei Wasserstoff Vollgas geben

Nikolas Iwan koordiniert als Geschäftsführer des Joint Venture H2 MOBILITY Deutschland den bundesweiten Aufbau einer Infrastruktur für das Tanken mit Wasserstoff. Hier berichtet er, was ihn antreibt.

Der Aufenthalt an der Tankstelle? Ein zeitlich ganz ähnlicher Vorgang. Die Reichweite einer einzelnen Tankfüllung? Mit mehreren hundert Kilometern pro Tankvorgang steht sie den Kraftstoffen auf fossiler Basis eigentlich in nichts nach. Auch die Kosten sind mit Tankvorgängen für den Kraftstoffbedarf klassischer Verbrennungsmotoren vergleichbar.

Vor allem jedoch bedeutet das Fahren mit brennstoffzellenbetriebenen Fahrzeugen mit H2 im Tank den Ausstoß von Wasserdampf aus dem Heck der Fahrzeuge anstelle klimaschädlicher Treibhausgase. Warum, könnte man zugespitzt fragen, ist Wasserstoff mehr als zehnmal so leicht wie Luft, die Umstellung auf eine neue Art des Tankens aber so schwer?

Meiner Meinung nach dürfen wir, gerade weil die Aufgabe einer umweltverträglichen und wirtschaftlich sinnvollen Mobilitätswende so weitreichend ist, hier nicht in solchen hermetischen Kategorien denken und die eine Antriebsart gegen die andere ausspielen. Wir müssen lernen, uns verschiedene Lösungswege und die Einbindung unterschiedlicher Partner als Optionen offenhalten. Eben diese unterschiedlichen Partner sind es auch, die sich mit dem Joint Venture H2 MOBILITY Deutschland vor etwas mehr als fünf Jahren auf den Weg gemacht haben.

Das deutschlandweite Netz an Wasserstoffstationen haben wir nach und nach enger geknüpft.

Nikolas Iwan und ein Auto

H2 MOBILITY Deutschland

Beim Ausbau der Infrastruktur für das Tanken mit Wasserstoff haben wir gemeinsam mit unseren Stakeholdern, namhaften Unternehmen aus der Mobilitäts- und Mineralölbranche, in den vergangenen Monaten und Jahren Fortschritte gemacht.

Das deutschlandweite Netz an Wasserstoffstationen konnten wir nach und nach enger knüpfen: Wer heute auf die Deutschlandkarte blickt, findet betriebsbereite H2-Tankstellen sowohl in Flensburg an der deutsch-dänischen Grenze als auch in Passau ganz im Südosten. Dennoch ist unbestreitbar, dass insbesondere die Anzahl der Brennstoffzellenfahrzeuge auf unseren Straßen noch immer hinter dem zurückliegt, was ökologisch schon lange wünschenswert und technologisch bereits heute möglich wäre. 

Gerade die Komplexität der Aufgabe ist es aber, die mich antreibt. Es muss uns gelingen, nicht nur in Deutschland, sondern im Verbund mit Partnerstaaten auf EU-Ebene, Wasserstoff zusätzlich zum Batterieantrieb zu einem relevanten Baustein klimafreundlicher Mobilität zu machen – zunächst für den PKW-Sektor und perspektivisch auch für die Logistikbranche. Denn es gibt nur diese zwei Lösungen für die Riesenherausforderung, den Verkehrssektor lokal und global zu defossilisieren: Wasserstoff und Batterien.

Reiner Druck alleine, wie er während des Tankvorgangs an einer der bundesweit inzwischen rund 90 Wasserstofftankstellen notwendig ist, um das Gas in die Tanks der Fahrzeuge zu pressen, ist hierbei meiner Überzeugung nach das falsche Mittel. Bereits bei meiner vorherigen Tätigkeit für einen Mineralölkonzern habe ich die Erfahrung gemacht, das Zuhören, Moderieren und das Einbinden verschiedener Meinungen unumgänglich sind.

Manchmal braucht es zudem das sprichwörtliche dicke Fell und die Bereitschaft, sich auch von temporären Rückschlägen nicht entmutigen zu lassen, wenn man unterschiedliche, teils konkurrierende Interessen auf ein gemeinsames Ziel verpflichten will. Ein Ziel, das über den Tag hinaus Bestand haben soll.

Wir müssen lernen, konsequenter zu sein, manchmal unnachgiebiger, ganz oft aber auch einfach mutiger.

Die über den Tag hinaus reichende Perspektive ist mir besonders wichtig und vielleicht sollten wir lernen, bei der erfolgreichen Etablierung neuer Technologien in anderen Zeithorizonten zu denken, konsequenter zu sein, manchmal unnachgiebiger, ganz oft aber auch einfach mutiger. 

Nikolas Iwan

H2 MOBILITY Deutschland

Vieles von dem, was heute an Spitzentechnologie in serienreifen Brennstoffzellenfahrzeugen steckt, wurde über Jahre hinweg von deutschen Unternehmen vorangetrieben, gefolgt von Phasen des Nachdenkens, Zauderns, Umschwenkens. In solchen Phasen haben dann asiatische Unternehmen aufgeholt und im Fall von PKW und Trucks auch ganz klar überholt. Diese Unternehmen haben Schritt für Schritt, aber eben konsequent an einer Industrialisierung der Brennstoffzellenantriebe für eine neue Generation von Fahrzeugen gearbeitet.

Mit der Geschwindigkeit und Konsequenz des Markteintritts und der Attraktivität und Sichtbarkeit der angebotenen Fahrzeuge wächst auch die gesellschaftliche Akzeptanz für innovative Produkte und Prozesse. Das gilt übrigens nicht nur für den Bereich der Wasserstofftechnologie, aber gerade hier sollten wir dranbleiben und auch in den kommenden Jahren weiter Vollgas geben, wenn wir es mit dem Kampf gegen den Klimawandel ernst meinen. Das technologische Potential haben wir.

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