Manuela Mohr und Susanne Stövhase

Wir müssen radikaler werden

finden Manuela Mohr und Susanne Stövhase von „Digital Sparks“

Wir müssen radikaler werden

Schon lange hoffen Manuela Mohr und Susanne Stövhase, dass ihr Funke überspringt. Mit „Digital Sparks“ haben sie es jetzt geschafft: Das Gewinnerprojekt des Hackathons #wirfürschule bietet fächerübergreifende Online-Workshops, die Schülerinnen und Schüler befähigen, kollaborativ an gesellschaftsrelevanten Themen zu arbeiten und Zukunftskompetenzen aufzubauen. Denn die beiden Gründerinnen finden, dass zwischen Wissens- und Kompetenzvermittlung an den Schulen eine Lücke klafft, wie sie hier darlegen.

Uns treibt an, dass die Schulen ihrem Auftrag nicht mehr nachkommen. So ist die heutige Generation von Schülerinnen und Schülern politisch unheimlich engagiert – sei es „Fridays for Future“ oder „Black Lives Matter“. Deshalb ist es erstaunlich, dass diese Themen oft überhaupt keine Relevanz an Schulen haben. Warum trennen wir das so stark? Warum findet das ganze nachhaltige, politisch Aktive, die Zukunft verändern Wollende abseits der Schule statt? Eigentlich müsste doch die Schule der Ort sein, sich aktiv damit auseinanderzusetzen! 

Teamfoto Education Innovation Lab, Screenshot einer Video-Konferenz

Education Innovation Lab

Aus diesem Gedanken heraus entstand während des ersten Corona-Lockdowns unsere Online-Plattform „Digital Sparks“. Die Schulen hatten geschlossen. Die Lehrkräfte verschickten Arbeitsblätter per Mail oder warfen sie in die Briefkästen. Das muss man sich mal vorstellen: Da sprechen wir über ein Thema wie den Klimawandel – und die Kids sitzen zu Hause und bearbeiten ausgedruckte Arbeitsblätter! 

Wie schaffen wir es, dass Schulen Zukunftslabore sind?

Wir müssen etwas tun, dachten wir. Die E-Mail dazu ging mitten in der Nacht ans Team: Wir müssen jetzt die Chance nutzen, gesellschaftlich relevante Themen in die Schulen zu bringen, digital zusammenzuarbeiten und innovative Methoden zu vermitteln. Gerade, wenn der Unterricht digital stattfindet, gibt es doch bessere Möglichkeiten als nur stilles Zuhören und das Ausfüllen von Arbeitsblättern. Wie schaffen wir es, dass Schulen Zukunftslabore sind? Wie schaffen wir es, dass Jugendliche lernen, dass ihre Stimme zählt? Dass sie mitgestalten können? 

Beim Education Innovation LAB fokussieren wir uns auf Kompetenzvermittlung statt Wissensvermittlung. Für uns ist es nicht entscheidend, ob wir analog oder digital arbeiten. Aber die Digitalisierung ermöglicht es uns, ganz neue Lernumgebungen zu schaffen. Zum Beispiel im „Digital Sparks“-Projekt: Die Schülerinnen und Schüler tauschen sich schulübergreifend deutschlandweit aus. Sie lernen, andere Perspektiven einzunehmen – und auch, wie man gegen diese argumentiert. Diesen Diskurs zu begleiten, ist dann die Aufgabe der Pädagoginnen und Pädagogen. Wir bieten ihnen Methoden und Werkzeuge, um Zusammenhänge zu verstehen und gestaltungsfähig zu werden.

Spielende Kinder, die durch eine Kamera gefilmt werden

Education Innovation Lab

Die Projekte vom LAB basieren auf vier Säulen: 21st-Century-Skills entwickeln, Bildung für Nachhaltige Entwicklung, Digitalisierung sowie neuen Lernerfahrungen. Dabei spielt für uns Design eine wichtige Rolle: Weil Jugendliche sich auch dadurch wertgeschätzt fühlen, dass das Material schön aufbereitet ist – und eben nicht ein durchkopiertes Blatt mit 25 Aufgaben. Dabei verstehen wir Design nicht nur im klassischen Sinne als „etwas schön machen“. Wir kommen vom Begriff „Human Centered Design“, bei dem die Menschen im Zentrum stehen und geschaut wird: Was brauchen sie, um bestmöglich zu lernen? Mit Hilfe der Zukunftsbox zum Beispiel: Durch sie sollen Jugendliche verstehen, dass es nicht nur eine Zukunft gibt, die man irgendwie vorhersagen kann, sondern Signale und Trends, die sie analysieren und daraus mögliche Zukünfte kreieren und Rückschlüsse auf den Umgang mit kritischen Punkten in unserer Gegenwart ziehen können. Oder anders gesagt: Welche Entscheidungen müssen wir jetzt treffen, um eine lebenswerte Zukunft zu gestalten?

Es gibt Lehrkräfte, die trauen sich mitzumachen – und andere sagen: Wir müssen erstmal den Stoff nachholen.

Broschüre von Greenpeace

Bente Stachowsk / Greenpeace

Wir arbeiten spekulativ und experimentieren. Es gibt Lehrkräfte, die trauen sich, mitzumachen, während andere sagen: “Nein, wir müssen erstmal den Stoff nachholen.” Daran sieht man das Gap, das wir gerade haben. Was die Menschen, die Bildung anbieten, an uns schätzen: Wir machen Angebote, mit denen sie schnell in ein innovatives Lernformat springen können. Das könnten sie selbst nicht, weil sie nicht den Raum, die Zeit und vielleicht auch nicht den Mut haben, etwas aus dem System heraus zu entwickeln. 

Gerade heute kam ein Anruf von einem Berufsschullehrer, der uns total motiviert. Er hat unser Posting zur Anmeldung für Digital Sparks auf Instagram gesehen – und seine Schülerinnen und Schüler waren total begeistert. Er wollte sofort loslegen. Das war so cool.

Wir sind ja ein LAB, und dass dieser LAB-Charakter, also das Experimentieren, jetzt politisch unterstützt wird über den nationalen Hackathon #wirfürschule war schon ein Antrieb. Er hat das Thema Lernkultur in den Fokus der Politik und in die Öffentlichkeit gerückt. Es ist ja perspektivisch so viel spannender, angewandter zu lernen: “Wozu brauche ich das?” “Wie hängt das mit anderen Bereichen zusammen?” Dafür können die Digital Sparks der Anfang sein. Wir wollen Funken streuen um Schüler*innen das aktive Gestalten einer nachhaltigen Zukunft zu ermöglichen.

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