Handy, auf dessen Screen das Q&A mit Ina Budde zu sehen ist

Wirklich gut statt weniger schlecht

möchte Ina Budde die Modewelt machen - mit innovativen Nachhaltigkeitskonzepten

Wirklich gut statt weniger schlecht möchte Ina Budde die Modewelt machen - mit innovativen Nachhaltigkeitskonzepten

Trends sind in der Mode alles, und so heften sich viele Firmen und Labels den Button Nachhaltigkeit an. Oft wird ihnen dabei vorgeworfen, lediglich Greenwashing zu betreiben, also ökologisches Handeln nur vorzutäuschen. Mit ihrem Start-up circular.fashion will die Designerin Ina Budde das ändern und eine funktionierende Kreislaufwirtschaft für Kleidung schaffen. Wie, das erläuterte sie im Rahmen der sechsten Ausgabe von Neugier: die digitalen Q&As rund 1.400 Zuschauerinnen und Zuschauern.

Trends sind in der Mode alles, und so heften sich viele Firmen und Labels den Button Nachhaltigkeit an. Oft wird ihnen dabei vorgeworfen, lediglich Greenwashing zu betreiben, also ökologisches Handeln nur vorzutäuschen. Mit ihrem Start-up circular.fashion will die Designerin Ina Budde das ändern und eine funktionierende Kreislaufwirtschaft für Kleidung schaffen. Wie, das erläuterte sie im Rahmen der sechsten Ausgabe von Neugier: die digitalen Q&As rund 1.400 Zuschauerinnen und Zuschauern.

Die Textilindustrie verursacht etwa zehn Prozent der weltweiten Treibhausgas-Emissionen – mehr als der internationale Flugverkehr! Manche Fashion-Ketten bringen alle zwei Wochen neue Kollektionen heraus. Und 87 Prozent aller Kleidungsstücke landen auf Deponien. Es ist ein großer Kampf, den sich Ina Budde ausgesucht hat. Seit mehr als zehn Jahren beschäftigt sich die 32-jährige Designerin aus Berlin damit, wie es gelingen kann, Mode wirklich nachhaltig herzustellen. Ihr Ansatz folgt der Frage: Wie lassen sich Produkte und Systeme intelligenter gestalten, sodass wir die Materialien im Idealfall endlos im Kreislauf führen können und nie als Abfall verlieren? Bei der Suche nach Antworten wurde Ina Budde immer klarer, dass es auf diesem Weg drei große Hürden gibt: fehlendes Wissen, mangelnde Transparenz und zu wenig Vernetzung bei allen Beteiligten.

„Lineare Geschäftsmodelle werden in der Zukunft gar nicht mehr existieren, da müssen wir den Tapetenwechsel vollziehen“

Ina BuddeMitgründerin und CEO von circular.fashion

„Daraus entstand die Idee, eine digitale Plattform zu entwickeln, welche verschiedene Akteure zusammenbringt“, erzählt Ina Budde. Aus der Idee ist die Softwarefirma circular.fashion geworden, ansässig in einem Berliner Hinterhof mit 15 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. circular.fashion bietet Modeherstellern und -Labels alles zum Thema kreislauffähige Mode an. Das beginnt bei der Beratung, welches Material verwendet werden sollte, also welche Stoffe überprüft nachhaltig hergestellt und recyclingfähig sind. Außerdem haben Budde und ihr Team Guidelines für nachhaltiges Design erstellt und unterstützen alle Schritte der Produktentwicklung. Das mündet in einem Circular-Product-Check, mit dem Unternehmen aufgezeigt wird, wie recyclingfähig ihr Produkt bereits ist.

Für eines der drängendsten Probleme des Recyclings hat circular.fashion 2019 eine Lösung mit Künstlicher Intelligenz präsentiert. Damit etwa aus einem Pullover wieder Fasern in gleicher Qualität gewonnen werden können, muss der Altkleidersortierer wissen, woraus er besteht. Nur so kann er wiederum das passende Recyclingunternehmen finden. Doch genau diese Information fehlt oft. Etwa weil das Etikettenzettelchen ausgewaschen ist oder rausgeschnitten wurde. Oder weil viele verwendete Materialien gar nicht erst aufgelistet werden. Dafür haben Budde und ihr Team die Circularity.ID entwickelt: ein scanbares Label, das in jedes Kleidungsstück eingenäht werden kann. Es funktioniert wie ein Pass. Man muss nur den QR-Code scannen, und schon wird das Kleidungsstück auf einer App vom Ursprung des Rohstoffs über die Herstellung bis hin zum Vertrieb blitzschnell nachvollziehbar – „also 100-prozentig transparent“, sagt Ina Budde.

Natürlich ist so ein Label bei einem T-Shirt für 1,99 Euro nicht umsetzbar. Aber solche Billigmode hat für Ina Budde über kurz oder lang ohnehin keine Zukunft mehr. Der Trend ist ihr Freund. „Unternehmen werden immer weniger beim Preis konkurrieren, sondern bei der Nachhaltigkeit“, ist sie sich sicher. Deswegen sei Transparenz so entscheidend. Denn oft geraten gerade Modefirmen unter Verdacht, sich das Thema Nachhaltigkeit auf die Kleider zu schreiben, um Greenwashing zu betreiben, also ökologisches Handeln nur werbewirksam vorzutäuschen. Umso wichtiger sei es für die Unternehmen, so Budde, den Kunden nachweisen zu können, wie nachhaltig tatsächlich produziert wird und die Lieferkette offenzulegen.

Mit ihrem Start-up sieht sich Ina Budde auf einem guten Weg, die drei großen Hürden hin zu einer wirklich funktionierenden Kreislaufwirtschaft immer weiter abzubauen. Mit großen Playern wie Zalando arbeitet sie schon zusammen. Wohl auch, weil circular.fashion solchen Firmen ermöglicht, das große Problem der Ressourcenverschwendung in der Mode mit einem positiven Ansatz anzugehen. „Bisher ging es in der Außendarstellung hauptsächlich darum, weniger schlecht zu wirken. Mit uns haben die Firmen die Möglichkeit, es bei ihren Produkten wirklich gut zu machen und gleichzeitig als Wissensvermittler diese Botschaft in die Welt zu tragen: Wenn wir es gemeinsam versuchen, dann kann die Vision der Nachhaltigkeit Realität werden.“

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